Kino / Portraits

Sein angenehmster Job

Michael Bully Herbig ist Juror in der neuen SAT.1-Talentshow "It's Showtime!" (So., 14.05., 20.15 Uhr)

Er ist Comedian, Schauspieler, Filmemacher, Produzent und Gummibärchenbotschafter. Mit dem Namen Michael "Bully" Herbig verbinden sich Über-Erfolge wie "Der Schuh des Manitu" und TV-Kult wie die "Bullyparade". Warum der 48-Jährige nun in der Jury einer SAT.1-Talentshow sitzt, die frappierend an das "Supertalent"-Konzept von RTL erinnert? Weil "It's Showtime - Das Battle der Besten" alles andere als eine gewöhnliche Talentshow ist, beteuert Bully. Und weil es Spaß macht: "Einen so angenehmen Job hatte ich noch nie!" So bewertet der Mann, der am 20. Juli "Bullyparade - Der Film" in die Kinos bringen wird, gemeinsam mit seinen Mitstreitern Michelle Hunziker und Sasha also Magier, Akrobaten, Tänzer, Sänger und dergleichen mehr. Ab 14. Mai, sind jeweils sonntags, 20.15 Uhr, insgesamt sechs Ausgaben bei SAT.1 im Programm. Es moderieren Annemarie und Wayne Carpendale.

teleschau: Bei "It's Showtime" bewerten Sie die Darbietungen von Show-Talenten aller Couleur. Da denkt man unweigerlich ans RTL-"Supertalent" ...

Michael "Bully" Herbig: Beim "Supertalent" hat man den Eindruck, dass dort jeder mal auf die Bühne darf, um sein Talent zu zeigen. Wir wollen hier aber den Show-Act des Abends auszeichnen, hoch qualifizierte Künstler auf einem sehr hohen Niveau. In verschiedenen Kategorien - Magie, Akrobatik, Gesang, Tanz oder Varieté - treten Profis aus aller Welt an.

teleschau: Sie klingen angetan.

Herbig: Wir bewerten subjektiv, was wir sehen und ob es uns gefällt. Einen so angenehmen Job hatte ich noch nie. Wir vergeben Punkte von eins bis zehn - unter sieben waren es bisher nie. Am Ende wählt das Publikum den Sieger und der bekommt 25.000 Euro. Aber darum geht es den Leuten nicht. Sie haben hier einfach die Chance, unter sehr professionellen Bedingungen aufzutreten.

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teleschau: Sie glauben, die Kandidaten wollen gar nicht reich und berühmt werden?

Herbig: Manche Kandidaten hoffen sicherlich, mit ihrer Nummer irgendwann in Las Vegas zu landen. Aber daran sieht man schon, wie die Ziele hier gesteckt sind. Niemand denkt sich: "Jetzt mache ich ein paar lustige Bewegungen oder ich sing' mal was, was die andern komisch finden." Hier geht es um pure Unterhaltung. Wir waren mehrmals sehr geflasht.

teleschau: Von was denn zum Beispiel?

Herbig: Ich bin wie ein Kind, mich faszinieren Tricks. Keine Zaubertricks, sondern Illusion. Das fängt mit ganz kleinen Dingen an, die vor deiner Nase passieren, die du genau sehen kannst, aber überhaupt nicht verstehst. Bis hin zu den großen, unheimlich aufwendigen Performances, die man so nur aus Las Vegas kennt. Nach der ersten Show lag ich bis drei Uhr nachts wach. Ich konnte nicht begreifen, wie diese eine Illusion funktioniert hatte. So etwas macht mich verrückt!

teleschau: Eigentlich sind Sie Schauspieler und Comedian. Wieso sitzen Sie nun in einer Jury?

Herbig: Meine erste Assoziation zu diesem Format war auch: warum? Man erfindet das Fernsehen ja nicht neu, die Assoziation "Casting-Show" liegt erst mal nahe. Aber das ist es nicht, es ist große Familien-Abendunterhaltung. Was mich letztendlich überzeugte, waren erste Clips von möglichen Kandidaten. Entscheidend war auch, wer noch in der Jury sitzt. Das passte. Sasha kenne ich schon eine Weile, Michelle Hunziker bis dato von meinen Besuchen bei "Wetten, dass ..?". Ich fand sie immer sehr sympathisch und liebenswert. "Sechsmal kannste dich da schon reinsetzen", dachte ich mir also. Und so kann ich mir die Show direkt von der ersten Reihe aus ansehen.

teleschau: Solche Sendungen würden Sie sich also auch privat anschauen?

Herbig: Ja. Ich muss sagen: Ich bin kein "Tatort"-Gucker. Nicht, weil ich es nicht mag, es gibt sicher ganz viele tolle Folgen! Aber es verschlägt mich einfach immer woanders hin, ich verirre mich da nicht rein. Bei "It's Showtime" würde ich eher hängenbleiben.

teleschau: Hat Ihnen ein großes Unterhaltungsformat zuletzt im deutschen Fernsehen gefehlt?

Herbig: Während der Aufzeichnungen gab es Momente, in denen ich mir dachte: "Das könnte auch eine moderne Form von 'Wetten, dass ..?' sein." Bei anderen Auftritten war es, als säße ich in Las Vegas. Von so etwas bin ich Fan! Von Themenparks, Shows, Siegfried und Roy - da mache ich große Augen. In der Sendung wird es teilweise sehr emotional, dann wieder poetisch. Oder es sind Comedians dabei, die dich überraschen.

teleschau: Wenn jemand einen Comedian beurteilen kann, dann wohl Sie.

Herbig: Es ist ein ganz großer Irrtum, zu meinen, dass ein Comedian weiß, was lustig ist. Du hast Glück, wenn sich dein Geschmack von Humor mit dem einer breiten Masse deckt. Humor kann so unterschiedlich sein. Es gibt viele Filme, bei denen ich mich wegschmeiße. Andere sind irrsinnig erfolgreich, aber ich finde sie nicht lustig. So geht es anderen mit meinen Filmen sicher auch. Über Humor kann man nicht streiten. Das ist ein Impuls, das, was in dem Moment funktioniert. Du magst es oder eben nicht. Deshalb käme ich niemals auf die Idee, jemandem zu sagen: "Das ist lustig." Ich kann aber sagen: "Das finde ich lustig!"

teleschau: Von Dieter Bohlens Vorgehensweise bei "Das Supertalent" schauen Sie sich somit nichts ab?

Herbig: Nein. Dieter Bohlen ist Dieter Bohlen. Ich finde, er hat streckenweise einen hohen Unterhaltungswert. Ich könnte das nicht, weil ich nicht so gerne auf Leuten rumhaue. Aber erstens finden das manche Menschen unterhaltsam, und zweitens wissen die Kandidaten dort, worauf sie sich einlassen. Ich habe da kein Mitleid. "DSDS" und "Supertalent" gibt es seit Jahren. Bei jedem müsste angekommen sein, vor wen man sich da stellt und dass man eingeschenkt bekommt. Das ist das Konzept der Show. Wir kommen nicht in die Situation, jemanden zu demütigen oder abzuwatschen. Es geht nicht darum, wer schlecht ist, sondern wer der Beste an dem Abend ist.

teleschau: Hätten Sie selbst als junger Mensch an einer solchen Show teilgenommen?

Herbig: Das habe ich mich schon oft gefragt - auch, wie ich als Teenager mit YouTube umgegangen wäre. Es wäre meine Spielwiese geworden. Es gab damals noch keine Handys, Super8 war zu teuer. Aber ein guter Freund aus der Nachbarschaft hatte eine Videokamera. Diese Filme hätten wir damals mit Sicherheit auf YouTube gestellt. Auch um entdeckt zu werden. Den Drang, vor Publikum aufzutreten, hatte ich hingegen nie. An diesen Shows hätte ich also eher nicht teilgenommen. Filme machen war mir immer wichtiger, als irgendwo etwas vorzusingen.

teleschau: Ist es mit YouTube heute einfacher, berühmt zu werden?

Herbig: Das glaube ich nicht. YouTube ist für mich heute das, was früher Radio war. Als ich dort damals anfing, konnte man unheimlich viel ausprobieren. Es war laut und chaotisch. Plötzlich hieß es Morgen-Show und nicht mehr Morgen-Sendung. Dort lernte man Timing und Improvisation. So ist das heute teilweise auch mit Youtube. Aber es bleibt einfach ein anderes Medium. Ein Radiostar muss im Fernsehen nicht automatisch auch Erfolg haben. Und wenn jemand zwölf Millionen Follower hat, rennen die nicht automatisch auch ins Kino. Das passiert nicht. Für YouTube müssen die Leute nichts bezahlen. Kino ist einen andere Nummer. Sie müssen sich aus dem Haus bewegen, hinfahren und Geld für ein Ticket bezahlen. Ein großer Unterschied.

teleschau: Wo liegen Ihre verborgenen Talente, Bully?

Herbig: Es gibt so viele Talente - die ich alle nicht habe. Ich würde mich sehr freuen, neue zu entdecken. Im Moment kenne ich sie noch nicht. Bin auch schon oft gescheitert (lacht).

teleschau: Worin zum Beispiel?

Herbig: Im Musizieren. Ich würde so gerne Instrumente spielen, mir fehlt aber die Ausdauer. Dieses Üben ist nicht so mein Ding. Kürzlich habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt und ein Schlagzeug in den Keller gestellt. Das entspannt mich. Ich klopfe ein bisschen darauf rum und kann mir selbst was beibringen. Das macht Spaß und ist wie ein Workout. Vielleicht bin ich ein Talent und wäre sogar Band-tauglich. Das wird sich noch herausstellen. Für AC/DCs "Highway To Hell" reicht es schon!

teleschau: Sie bleiben also besser bei Talent Nummer eins.

Herbig: Filme zu machen, war immer mein Traum, und heute ist es mein Beruf. Und es gibt Leute, denen es gefällt. Das macht mich irrsinnig glücklich. Schon als Kind wollte ich tatsächlich Oscargewinner oder Fußballweltmeister werden. Ich habe beides noch nicht aufgegeben.

teleschau: Ambitioniert!

Herbig: So ein DFB-Team ist ja groß. Vielleicht brauchen sie mal nen Halbzeit-Clown. Im Moment konzentriere ich mich aber eher auf die Filme.

teleschau: Für Ihren jüngsten Film schlüpfen sie und die Kollegen Christian Tramitz und Rick Kavanian noch einmal in Ihre Paraderollen der "Bullyparade". Verspüren Sie Druck?

Herbig: Als wir uns für den Film entschlossen haben, waren wir sehr gelassen. Heute sind wir einfach älter. Entweder die Leute gehen die Reise mit und haben genauso viel Spaß wie wir - dann können wir einen Deckel drauf machen, ein wunderbarer Abschluss. Oder es will den Film keiner sehen. Dann sagen wir uns: "Die Zeit ist rum", und können auch einen Haken dahinter machen.

teleschau: Ein schwuler Indianer - vor 15 Jahren haben solche Gags funktioniert. Aber sind sie heute noch zeitgemäß?

Herbig: Der Witz ist: Anders als vor 15 Jahren ist das heute kein Riesending mehr. Das sind etablierte Charaktere, die man so liebt, wie sie sind. Natürlich kokettiert und parodiert man. Es ist vom Spirit her wieder genau derselbe Quatsch. Aber es ist auch zeitgemäß. Es gibt heute andere Themen, die in der Luft liegen und diskutiert werden. Ich bin nur froh, dass wir eine Sache nicht gemacht haben - das konnte damals keiner ahnen! Als wir das Buch geschrieben haben, wollte ich einem Typen eine Donald-Trump-Perücke verpassen. Das war noch vor dem Wahlkampf und dem ganzen Wahnsinn. Der Typ war eine Steilvorlage für eine Parodie! Heute bin ich froh, dass er nicht in "Bullyparade - Der Film" vorkommt.

teleschau: Ihre späteren Filme wurden immer gerne am Über-Erfolg "Der Schuh des Manitu" gemessen. Fürchten Sie, es wird wieder passieren?

Herbig: Diese Leute wird es immer geben. Als neun Millionen Menschen "(T)Raumschiff Surprise" sahen, hieß es: "So erfolgreich wie 'Der Schuh des Manitu' ist das jetzt aber nicht." Es war aber der zweiterfolgreichste deutsche Film! Wir sind einfach glücklich und so gesegnet mit all diesen Zahlen und Erfolgen. Im Moment ist mir das also egal.

Antonia Hofmann

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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