Kino / Portraits

"Irgendwo taucht immer ein Idiot auf"

Ridley Scott setzt die "Alien"-Saga fort und erzählt in "Alien: Covenant" (Kinostart. 18. Mai), warum die Biester so hässlich sind

Ridley Scott will es wissen. Und zwar alles. Es scheint so, als würde der britische Regisseur, der mit "Alien", "Blade Runner" und "Gladiator" Kinomeisterwerke schuf, im Alter ungeduldig werden. Scott ist 79 Jahre alt und erpicht darauf, die großen Fragen des Lebens zu klären. Also macht er aus einer SciFi-Horror-Reihe eine Philosophiestunde: Natürlich toben sich auch Scotts ikonische Monster in "Alien: Covenant" (Kinostart: 18. Mai) aus. In den Mittelpunkt hat er aber einen Androiden gestellt, der seine Künstliche Intelligenz nicht wirklich zum Wohle der Menschheit, die ihn erschaffen hat, einsetzt, sondern lieber an deren Vernichtung arbeitet. Dieser David ist ein ziemlich übellauniger Zeitgenosse der Zukunft, dabei hat er wahrscheinlich nicht mal schlecht geschlafen, wie Ridley Scott im Interview erklärt.

teleschau: Wissen Sie eigentlich, wovon Androiden träumen?

Ridley Scott: Die träumen gar nicht, sie schalten sich einfach aus, und das war's dann. Aber immerhin können sie selbst entscheiden, wann sie in den Standby-Modus wechseln. Schließlich müssen sie auch mal eine Wartungsroutine über ihr System laufen lassen. Künstliche Intelligenz ist das große Thema unserer Tage ...

teleschau: Was halten Sie denn von den Entwicklungen auf diesem Gebiet?

Scott: Es ist etwas, das schon Teil unseres Alltags ist. Ich hoffe nur, dass wir unseren gesunden Menschenverstand nutzen, wenn wir sie einsetzen, damit sie nicht unserer Kontrolle entgleitet. Noch müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit Künstliche Intelligenz funktioniert, es gibt Beschränkungen. Aber man weiß nie: Irgendwo taucht immer ein Idiot auf ...

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teleschau: Das Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpfen steht im Mittelpunkt von "Alien: Covenant": Glauben Sie wirklich daran, dass es irgendwo da draußen eine schöpfende Macht gibt?

Scott: Absolut. Vor 30 Jahren erklärte mir ein Astrophysiker, dass "Alien" in unserer Lebenszeit auf keinen Fall Realität werden kann. Er meinte damit nicht nur, dass wir nicht so lange durchs All reisen können, sondern dass wir auch keine Lebensformen von anderen Planeten treffen würden. Ich sagte ihm damals: "Bleib locker, es ist nur ein Film."

teleschau: Und heute?

Scott: Heute leben wir in der Gewissheit, dass es andere bewohnbare Planeten im Weltall gibt: Ich las vor Kurzem einen Artikel, in dem von 200 solcher Planeten allein in unserer Galaxie die Rede ist. Mich hat das nicht überrascht. Diese wissenschaftliche Erkenntnis gibt mir Gewissheit, dass es eine höhere Macht geben kann. Ich glaube allerdings nicht, dass ein Schöpfer unbedingt ein weiser alter Mann mit langem Bart ist.

teleschau: Ihr Film sollte eigentlich "Paradise Lost" heißen: Warum haben Sie das verlorene Paradies denn aus dem Titel verbannt?

Scott: "Paradise Lost" wäre vielleicht etwas zu intellektuell gewesen. Außerdem hätte ich mich als Dieb gefühlt, weil wenn ich einen Film gemacht hätte, der genauso heißt, wie eines der schönsten Gedichte aller Zeiten: "Paradise Lost" von John Milton gehört zu den größten Errungenschaften der englischen Literatur.

teleschau: Jetzt heißt Ihr Film "Covenant" - was so viel bedeutet wie Versprechen oder Vertrag: Welchen Vertrag hat die Menschheit mit sich selbst?

Scott: Ganz simpel: immer neue Welten zu entdecken. Um der Menschheit eine Zukunft zu bieten, eine Chance auf Weiterentwicklung zu geben, macht sich im Film die Besatzung des Raumschiffes dafür in die Tiefen des Weltalls auf ...

teleschau: Was gar nicht so weit hergeholt scheint.

Scott: Richtig. Bei den Arbeiten an meinem Film "Der Marsianer" habe ich mich ausführlich mit NASA-Experten unterhalten, ob es denkbar wäre, den Mars zu kolonialisieren. Sie sagten, es sei möglich, schon innerhalb der nächsten 15 Jahre. Leute wie Elon Musk (Firmengründer Tesla und SpaceX, d. Red.) arbeiten bereits sehr intensiv an entsprechenden Plänen. Die Kosten sind enorm, aber der Mars ist die Türschwelle zum Universum. Alles, was danach kommt, ist Lichtjahre entfernt. Wir müssten in der Tat eine Möglichkeit finden, Menschen in ein kontrolliertes Koma zu versetzen, um längere Distanzen zurückzulegen. Aber wenn du einmal da draußen bist ...

teleschau: Das Versprechen einer besseren Welt irgendwo auf einem anderen Planeten - können die Menschen das überhaupt halten?

Scott: Das weiß niemand. Menschen werden schließlich immer Menschen sein. Wenn ich mir ansehe, was zurzeit auf diesem Planeten passiert, wie verrückt das alles ist, möchte ich lieber nicht anfangen, darüber nachzudenken.

teleschau: In "Alien: Covenant" beantworten Sie viele Frage, die sich Fans der Filmrehe schon immer stellten: Welche Facetten der Aliens nehmen Sie sich denn in den nächsten Filmen vor?

Scott: Es spricht nichts dagegen, zu erkunden, ob Aliens nicht auch gutartige, freundliche Seiten haben. Sicher ist: Wenn eines Tages Außerirdische vor unserer Tür stehen, dann sind sie mit Sicherheit viel weiter entwickelt als wir und viel intelligenter. Unsere eigene Xenophobie hindert uns daran, etwas anderes anzunehmen als ihre Bösartigkeit. Aber das ist der erste, der entscheidende Fehler.

Andreas Fischer

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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