Kino / Portraits

"Ich war früher furchtbar schüchtern"

Kaya Scodelario glänzt im neuen "Pirates of the Caribbean"-Film "Salazars Rache" an der Seite von Johnny Depp

Bildschön ist diese junge Frau: strahlend blaue Augen, feine Gesichtszüge, eingerahmt von langen, dunklen Locken. Und dann dieser distinguierte britische Akzent. Keine Frage, Kaya Scodelario ist der heißeste Neuzugang im neuen, nunmehr fünften Teil der "Pirates of the Caribbean"-Reihe. Die smarte Engländerin gab in der TV-Serie "Skins - Hautnah" (2007) mit 14 Jahren ihr Schauspieldebüt und mauserte sich von der Nebenrolle zur Hauptdarstellerin. Es dauerte nicht lange, bis Hollywood sie entdeckte: Zuletzt war die Halb-Brasilianerin in zwei "Maze Runner"-Filmen (2014 und 2015) zu sehen. In "Salazars Rache" (Start: 25.05.) spielt sie die unerschrockene Naturwissenschaftlerin Carina Smyth, die Johnny Depp alias Jack Sparrow hilft, einer Horde furchteinflößender Geister-Matrosen zu entkommen.

teleschau: Haben Sie Angst vor Geistern?

Kaya Scodelario: Ja, das habe ich. Das liegt aber auch daran, dass meine Mutter Brasilianerin ist und an Geister, Übersinnliches und andere seltsame Dinge glaubt. Das hat sich auch auf mich übertragen. Ich glaube jedenfalls sehr an unsichtbare Energien, die zum Beispiel mein Hund manchmal wahrnimmt. Dann bellt er plötzlich.

teleschau: War also der neue "Pirates of the Caribbean"-Film auch für Sie furchteinflößend?

Scodelario: Absolut! Mir war gar nicht klar, wie unheimlich und gruselig er ist. Und das ist eigentlich auch das, was ich an dem Film mag: Dass er eine schöne Mischung ist aus Komödie, Romantik, Abenteuer mit einer großen Portion Grusel.

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teleschau: Was macht Ihnen sonst Angst?

Scodelario: Ich bin mittlerweile sehr furchtlos geworden und versuche, meine Ängste zu überwinden. Aber wenn ich etwas schlecht ertrage, dann Stille.

teleschau: Waren Sie auch schon so furchtlos, als Sie als Teenager für Ihre erste Rolle in der Serie "Skins - Hautnah" vorsprachen?

Scodelario: Nein, ich war vor dem Casting derart nervös, dass ich mich draußen vor der Tür übergeben musste. Ich wollte auch gar nicht rein, weil ich zu viel Angst hatte und eh dachte, dass ich die Rolle nie bekommen würde. Der Regisseur stand draußen und rauchte gerade eine. Er sah mich, kam zu mir rüber und fragte, ob ich auch vorsprechen wollte. Ich sagte ja, aber ich wäre zu aufgeregt. Da ging er mit mir rein, setzte mich auf meinen Stuhl und war sehr freundlich, das hat mir sehr geholfen.

teleschau: Wie kamen Sie auf die Idee, Schauspielerin zu werden, wenn Sie so schüchtern waren?

Scodelario: Für mich gab es keine Alternative. Als ich zur Schule ging, war ich in der Klasse immer sehr still und zurückhaltend, aber einmal ging es darum, ein bisschen zu schauspielern. Und da habe ich mich gemeldet. Das war das erste Mal, dass ich aufgestanden bin und bei etwas mitmachen wollte. Und das hat Spaß gemacht. Ich liebte es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen; ich liebte es, mich in hinter einer Rolle zu verstecken. Das ist übrigens bei vielen Schauspielern so, dass sie sehr schüchtern sind und sich für diesen Beruf entschieden haben, weil sie jemand Anderes sein können. Und mir hat das Spaß gemacht, die Schauspielerei war eines der Dinge, bei denen ich mich immer richtig gut gefühlt habe.

teleschau: Gab Ihnen die Schauspielerei mehr Selbstvertrauen?

Scodelario: Definitiv! Auch was meinen Körper betrifft. Früher mochte ich Sport nie, heute freue ich mich, wenn ich meine Stunts in den Filmen selbst drehen kann. Ich mache auch gerne Kampfsport, ich trainiere gerne und das hat mich sicherlich stärker und mutiger gemacht.

teleschau: Die Dreharbeiten zu "Pirates of the Caribbean" waren bestimmt kräftezehrend ...

Scodelario: Körperlich war es irre anstrengend, denn wir haben ja so lange gedreht, über sechs Monate, und die Tage waren sehr lang. Außerdem rutschte ich auf dem Schiff aus und verletzte mich an der Schulter. Aber ich musste ja trotzdem mit dieser Schulter weiter drehen. In den Drehpausen trug ich eine Schlinge, um die Schulter zu entlasten, das war schon ziemlich hart. Und dann natürlich die Tatsache, dass ich so weit von Zuhause weg war; das ging aber auch den anderen so.

teleschau: Und was war das Beste daran?

Scodelario: Der Dreh war insgesamt etwas ganz Besonderes, weil ich mit so tollen Schauspielern wie Johnny Depp, Geoffrey Rush oder Javier Bardem drehen durfte, die ja alle wahnsinnig talentiert sind und Karriere gemacht haben. Zu sehen, wie sie arbeiten und wie sie ihre Figuren aufbauen, das war das Größte für mich.

teleschau: Wie lief die erste Begegnung mit Johnny Depp?

Scodelario: Ich traf ihn zum ersten Mal, als wir alle erstmals über das Drehbuch gingen und unsere Rollen lasen. Das war übrigens am Valentinstag. Wir saßen um den Tisch herum und warteten ganz aufgeregt auf Johnny. Und dann kam er rein, sagte Hallo und schüttelte jedem Einzelnen von uns die Hand. Ich fand das sehr spannend, als er anfing zu lesen, denn in diesem Moment wurde Jack Sparrow lebendig und machte richtig Lust auf den Dreh.

teleschau: Was sagen Ihre Freunde dazu, dass Sie jetzt in einem Mega-Blockbuster an der Seite von Johnny Depp zu sehen sind?

Scodelario: Meine Freunde kenne ich alle von früher, aus der Schulzeit. Es sind Menschen, die ein ganz normales Leben führen und normale Jobs haben. Und ich teile mein Leben gern mit ihnen. Ich nahm vier Freundinnen mit zur Premiere nach Paris und wir feierten zusammen. Ich weiß, dass sie sehr stolz auf mich sind. Außerdem erinnern sie mich daran, wer ich bin und wo ich herkomme. Sie sorgen dafür, dass ich auf dem Boden bleibe und nicht abhebe bei all dem Erfolg.

teleschau: Machen Sie sich Sorgen, dass der Erfolg Sie überrollen könnte, sobald der Film in die Kinos kommt?

Scodelario: Natürlich, denn ich mag mein normales Leben sehr. Ich gehe mit Freunden gern was trinken oder gehe mit meinem Hund spazieren, solche Dinge. Es würde mich ärgern, wenn das nicht mehr möglich wäre. Aber ich denke, wenn man sich bemüht, normal zu bleiben, dann kann das klappen: berühmt sein und trotzdem ein normales Leben führen. Ich habe einen tollen Mann (Schauspieler Benjamin Walker, Anm. d. Red.), eine tolle Familie und gute Freunde, das werde ich schon schaffen.

teleschau: Mit 25 Jahren haben Sie schon eine Menge erreicht. Was steht sonst noch auf Ihrer Agenda?

Scodelario: Ich möchte einfach weiter dazulernen, jeder Tag ist für mich ein Abenteuer, gerade auch jetzt, wenn man so viel um die Welt reist und so viele Kulturen kennenlernt. Ich finde das total spannend. Ich habe ja meine Familie und meinen Sohn dabei und finde es schön, wenn er die Erfahrungen macht, die ich nie hatte. Ich bin als Kind nie gereist, meine Mutter hatte dafür kein Geld, und insofern freue ich mich über all das wie ein kleines Kind. Was mich im Moment allerdings am meisten reizt, ist, tolle junge Autoren oder Regisseure zu finden, das kann auch gern eine Frau sein, mit denen ich zusammenarbeiten und daheim in England kleine, aber feine Filme machen kann. Es gibt so viele talentierte Menschen, die aber nie die Chance bekommen zu zeigen, was sie können. Die würde ich gerne fördern.

teleschau: Ein Umzug von London in die USA steht in nächster Zeit also nicht an?

Scodelario: Ich denke, das ist nicht nötig. Man kann heutzutage ja skypen und muss nicht unbedingt vor Ort sein. Das würde für mich auch nicht in Frage kommen, ich hänge sehr an London und lebe auch noch in derselben Gegend, wo ich aufgewachsen bin, und das bedeutet mir viel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in die USA passen würde. Dort, wo ich jetzt lebe, kennt mich jeder von klein auf und denen ist es egal, dass ich inzwischen so etwas wie ein Star bin. Für die bin ich einfach Kaya.

Heidi Reutter

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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