Kino / Portraits

Wie ein nicht ganz so wilder Stier

Daniel Aminati scharrt in "Ferdinand - Geht Stierisch ab" (Start: 14.12.) als Synchronsprecher mit den Hufen

Was kann Daniel Aminati eigentlich nicht? Seine Karriere begann er als Sänger von Bed & Breakfast, inzwischen ist er Moderator von "taff", Fitness-Guru mit eigenem Sport-Programm und jetzt auch Synchronsprecher: Das 44-jährige Multitalent leiht im neuen Animationsfilm der "Ice Age"- und "Rio"-Macher einem überdimensionierten Stier mit weichem Herz seine Stimme. Für "Ferdinand - Geht Stierisch ab" (Start: 14.12.) hat sich der gebürtige Aachener in die Rolle eines muskelbepackten Tiers hineinversetzt, bei dem der äußere Schein trügt. Dafür Empathie aufzubringen, fiel Aminati leicht: Auch bei ihm verbirgt sich unter dicken Muskeln und Tattoos ein sensibler Charakter ...

teleschau: Das Kinderbuch über Ferdinand den Stier erschien 1935, ein kurzer Disney-Trickfilm über ihn 1938 - wann und wie kamen Sie das erste Mal mit Ferdinand in Berührung?

Daniel Aminati: Ehrlich gesagt kannte ich Ferdinand bis dato noch gar nicht. Erst als die Castinganfrage kam, begann ich ein wenig zu recherchieren und habe auf YouTube einen Zusammenschnitt von Ferdinand in Schwarz-Weiß gesehen. Der hat mich aber direkt berührt.

teleschau: Die meisten Prominenten synchronisieren zum Einstieg eine kleine Figur, Sie direkt die Hauptrolle. Wie kam es?

Aminati: Als ich zum Casting ging, dachte ich mir, dass das Medium Stimme für mich immer wichtig war - sei es durch Gesang, meine Arbeit im Radio oder als Moderator. Darum wollte ich mich auch einmal als Synchronsprecher versuchen. Als ich mich früher einmal in einer Low-Budget-Produktion selbst gespielt habe, musste ich mich auch selbst synchronisieren. Daher wusste ich auch ungefähr, was auf mich zukommt. Dass das dann aber direkt mit einer großen Hauptrolle hinhaut, hätte ich nicht für möglich gehalten.

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teleschau: Wie überzeugten Sie die Casting-Leiter?

Aminati: Ich habe einfach versucht, dem Stier eine Seele einzuhauchen - in dem Fall meine - und Spaß zu haben. Dadurch, dass ich mit einer gewissen Begeisterung und viel Empathie rangegangen bin, klappte es dann auch. Dass es sich um einen Film von den Machern von "Ice Age" handelt, wusste ich übrigens gar nicht. Es freut mich wirklich sehr, dass ich da mitmachen durfte.

teleschau: Wie sah Ihre Vorbereitung aus: An Blumen riechen oder wie ein wilder Stier durch die Gegend rennen?

Aminati: (lacht) Das tue ich jeden Tag! Also wie ein wilder Stier durchs Leben rennen ... Aber ernsthaft: Ich habe mich nicht speziell vorbereitet, sondern habe mich auf mein Gefühl und meine Empathie verlassen.

teleschau: Fiel es Ihnen leicht, sich in einen Stier hineinzuversetzen?

Aminati: In diesen schon: Ferdinand steckt im Körper eines starken Stieres, will aber eigentlich nur in Ruhe über die Wiese schlendern und an Blumen riechen.

teleschau: Ein Gefühl, das Sie kennen?

Aminati: Klar. Schon allein deshalb, weil ich aufgrund meiner Physis, meiner Tattoos und meiner dunklen Hautfarbe auffalle. Dadurch wirke ich auf andere hier und da anders, als das Wesen, das mir innewohnt.

teleschau: Wie sieht es denn in Daniel Aminati aus?

Aminati: Ich bin ein eher harmoniebedürftiger Mensch. Ich denke, dass ich auch von meiner Mutter und meinen drei Schwestern eine recht sensible Seite mitbekommen habe. Auf der anderen Seite bin ich aber auch ein Unterhalter, ein Clown, ein Paradiesvogel und jemand, der gerne sagt, was ihm auf der Zunge liegt. Auch meine Moderation versuche ich immer so authentisch wie möglich zu gestalten. Das ist für manche auch ein bisschen untypisch beziehungsweise anormal. Das ist für mich auch die Essenz des Films: Egal, was von außen an dich herangetragen wird, wie du sein sollst - du solltest dir selbst treu sein! Das ist eine Kunst, die leider ganz viele verlernt haben, weil sie eben Herdentiere sind.

teleschau: Es passiert Ihnen also öfter, dass Sie falsch eingeschätzt werden?

Aminati: Ja, in jedem Fall. Ich glaube aber auch, dass jeder ein bisschen wie Ferdinand ist. Denn wir leben in einer Gesellschaft, in der wir funktionieren müssen, und da gibt es einfach gewisse Kompromisse, die wir schließen müssen. Aber es gehört zum Glücklichsein dazu, einfach seiner inneren Stimme zu folgen. Unabhängig davon, was von außen vorgegeben wird. Und da verlieren sich ja leider sehr viele.

teleschau: Als Ferdinand in einer Szene in einem Porzellanladen gefangen ist, sagt er sich: "Denk dich schlank". Eine kleine Anspielung auf Ihr Fitnessprogramm?

Aminati: (lacht) Das habe ich gar nicht damit verbunden, sondern habe mich einfach in Ferdinand reingefühlt und mir Gedanken gemacht, wie es sein muss, als muskelbepackter, voluminöser Körper in einem Porzellanladen zurechtkommen zu müssen. Aber es freut mich natürlich, wenn man diese Seite von mir auch im Kopf hat.

teleschau: Wonach sind Sie noch verrückt, vom Sport abgesehen?

Aminati: Ich liebe gute Musik, Reisen, gutes Essen und Süßigkeiten!

teleschau: Süßigkeiten? Als Fitnessguru?

Aminati: Ja natürlich - ich bin da wie jeder andere auch! Sonntag ist mein Cheatday, und da geht's dann ab (lacht). Ich liebe einfach das gute Leben!

teleschau: Nachdem Ferdinand so gut zu Ihnen passte: Können Sie sich auch eine Rolle für sich vorstellen, die so gar nicht Ihrem Charakter entspricht?

Aminati: Klar, ich muss mich ja auch mal fordern, um besser zu werden. Es würde mich natürlich freuen, wenn da die ein oder andere Anfrage käme.

teleschau: Welche Lektion sollen Kinder von Ferdinand lernen und mit nach Hause nehmen?

Aminati: Selbstannahme und Selbstwertschätzung. Ein glückliches Leben geht nur davon aus, wenn du dich selbst annimmst, genauso wie du bist. Es kann natürlich immer besser werden und besser sein, aber so wie es gerade ist, ist es gut. Ich bin gut! Mit so einem Mindset kannst du ein großartiges Leben haben!

Sarah Schindler

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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