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PreyNichts ist so, wie es scheint

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Gestaltwandler-Aliens, Genmanipulation und eine Prise Horror: Nach dem famosen Steampunk-Spektakel "Dishonored 2" hebt der französischen Entwickler Arkane Studios nun mit dem clever inszenierten Science-Fiction-Shooter "Prey" ins All ab. Kein Spiel für Zwischendurch. Hier ist volle Aufmerksamkeit gefordert, denn schon eine vermeintlich schlichte Klopapierrolle kann tödlich sein ...

Wie würde die Welt aussehen, wenn US-Präsident John F. Kennedy 1963 nicht einem Attentat zum Opfer gefallen wäre? Um diese Frage herum hat der französische Entwickler Arkane ("Dishonored") in "Prey" ein retro-futuristisches Alternativ-Szenario konstruiert - ein gnadenloses Wettrennen ins All, eine frühe Besiedlung des Weltraums und kriegerische Auseinandersetzungen mit sogenannten Typhons-Aliens inklusive.

Im Jahr 2032 hat man die außerirdischen Gestaltwandler in eine Raumstation im Mond-Orbit gesperrt, um ihre ungewöhnlichen Zellbausteine zu sezieren und auf ihrer Basis eine medizinische Revolution einzuläuten: Diese "Neuromod"-Injektionen sollen normalen Menschen fantastische geistige oder körperliche Fähigkeiten verleihen. "Bioshock" lässt grüßen - und mit ihm gleich noch ein paar andere Titel, an denen sich Arkane orientiert hat, darunter die eigene "Dishonored"-Reihe oder aber auch "Deus Ex". Mit dem 2006 veröffentlichten Shooter "Prey" teilt man nach Rechteunstimmigkeiten und zahllosen Verschiebungen dagegen nur noch den Namen ...

Einer der ersten Neuromod-manipulierten Menschen ist der Wissenschaftler Dr. Morgan Yu: Der sollte eigentlich in seinem gemütlichen Luxus-Appartement auf der Erde aufwachen, stattdessen findet er sich in der von aggressiven Aliens überrannten Station Talos 1 wieder, die von Anfang an nahezu komplett offen steht.

Hier muss er aus der Ego-Perspektive gegen die Schattenwesen kämpfen, die fast jeden Menschen getötet haben - nicht zuletzt, weil manche der "Mimics" getauften Aliens nahezu jede beliebige Form nachahmen können. Lampen, Aschenbecher, Koffer, Pistolen - das komplette Level-Inventar kann in "Prey" ein potenzieller Feind sein. Paranoia vorprogrammiert!

Morgan kontert die Attacken der Aliens zunächst mit einem wuchtigen Schraubenschlüssel. Doch rasch gesellen sich Pistolen, Schrotflinten und futuristische Allzweck-Waffen wie das Gloo-Gewehr hinzu, das so etwas wie schnell härtenden Schaumfestiger verschießt. Die zähe Masse dient ebenso der Isolation von ramponierten Schaltkästen wie dem Löschen von Feuersbrünsten, der Fixierung von Alien-Angreifern oder dem Bau improvisierter Brücken. Aber Vorsicht: In "Prey" herrscht chronischer Ressourcen-Mangel - Gloo-Nachschub und Munition sind ebenso knapp wie Gesundheits-Kits.

Umso wichtiger ist es, dass sich Morgan genau in dieser vertrackt gebauten Welt umsieht und mit dem ungewöhnlichen Crafting-System der Raumstation anfreundet: Scheinbar nutzlose Objekte wie Bananenschalen, durchgebrannte Platinen, Zigarettenstummel oder aus toten Mimics herausgelöste Organe werden mit Hilfe von "Recycler" und "Fabrikator" in nützlichen Nachschub verwandelt. Vorausgesetzt allerdings, man hat vorher den nötigen Bauplan gefunden. Sogar für den Spielfortschritt essenzielle Gegenstände wie ein Jetpack für Weltraum-Ausflüge werden auf diese Weise "fabriziert".

Noch wichtiger sind nur die über Talos 1 verteilten "Neuromods": Diese Bio-Verbesserungen, die man sich per langer Nadel ins Auge injiziert, machen den wehrhaften Wissenschaftler stärker oder smarter und verleihen ihm auf Knopfdruck fantastische Reparatur- sowie Hacker-Fähigkeiten. Später darf der Spieler sogar das Talent der Aliens adaptieren und sich in beinahe jeden beliebigen Gegenstand zu verwandeln, um etwa in Form einer Kaffeetasse durch einen engen Schlitz zu rollen. Allerdings muss Morgan seine Gegner dafür erst genau unter die Lupe nehmen. Mittels Analyse-Tools eröffnen sich Dr. Yu nach und nach neue Talent-Bäume.

Wer all diese Möglichkeiten intelligent nutzt, außerdem wissbegierig jedes Schriftstück, jedes Computer-Display und alle Audio-Nachrichten der ehemaligen Bewohner aufsaugt, wird in eine spannende Geschichte gesogen und nach rund 30 Stunden eine von zwei unterschiedlichen Abspann-Sequenzen erleben.

Schade nur, dass "Prey" trotz gelungenem Art-Déco-Look nur selten an die Klasse seines offensichtlichen Vorbilds "Bioshock" heranreicht: Stattdessen bietet Arkanes Weltraum-Trip jede Menge erzählerische Längen, überwiegend blasse Charaktere und Kämpfe, denen man wegen des immergleichen Ablaufs irgendwann schlicht aus dem Weg geht.

Was den Spieler dagegen bei der Stange hält, das ist der clever ins Stations-Layout integrierte Einsatz von Yus interessanten Fähigkeiten, die immer mehr als einen Weg zur Lösung eines Problems ermöglichen, sowie die große Bewegungsfreiheit an Bord der Station.

Robert Bannert

Game
SpielnamePrey
HerstellerArkane Studios
VertriebBethesda
Erhältlich ab05.05.2017
Bewertung Gesamtgut

Erhältlich für:
PlayStation, PC / Mac, Xbox

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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