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Hellblade: Senua's SacrificeIn meiner Hölle

Dieses Spiel ist der reine Wahnsinn: Für seine Grafik-Granate "Hellblade: Senua's Sacrifice" schickt Ninja Theory eine psychisch labile Kelten-Kriegerin in eine Spiele-Hölle, in der Realität und Albtraum zunehmend verschwimmen. Gleichzeitig will man mithilfe filmreifer Mimik die emotionalen Grenzen von Games ausloten.

Alles dreht sich hier um die Psyche der Heldin Senua, die aus der Hölle der Wikinger die Seele ihres toten Geliebten retten möchte, aber im Angesicht skurriler Bestien und dunkler Magie immer mehr ihren Verstand zu verlieren droht.

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Um das Abdriften in den Wahnsinn und den Schmerz so realistisch wie möglich darzustellen, hat Ninja Theory die hauseigene Video-Expertin und Schauspielerin Melina Jürgens zahllose Stunden ins Motion-Capture-Studio geschickt. Spezielle Kameras zeichneten jedes Zucken ihrer Augenlider, jedes Rümpfen der Nase und jedes Stirnrunzeln detailliert auf und übertrugen es auf die Computerfigur.

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern wiederum entstand ein komplexes Psychogramm der labilen Heldin. Das Ergebnis ist ein Konterfei, aus dem Kummer, Unsicherheit und Verzweiflung sprechen: Senua blickt sich gehetzt um, verzieht auf fast animalische Weise den Mund und ist kaum fähig, mit ihren ruhelosen Pupillen einen festen Punkt zu fixieren.

Zudem wird sie bei ihrem Weg durch das nordische Totenreich von einem ganzen Tross aus flüsternden und niemals verstummenden Stimmen begleitet, die nahezu jede Aktion der Kriegerin ängstlich bis entrüstet kommentieren: "Du bist schuld.", "Du kannst das nicht", "Du bist unwürdig!", "Gib nicht auf." Für den Spieler ist diese Erfahrung ähnlich anstrengend wie für Senua selbst - aber dadurch auch umso authentischer und packender!

Nicht ganz so souverän gibt sich "Hellblade" auf spielerischer Seite: Die gelegentlichen Schwertkampf-Duelle gegen albtraumhafte Gestalten und Götter sind schlicht und zielen darauf ab, die Angriffe der Gegner vorherzusehen und im richtigen Moment zurückzuschlagen. Auch die stetige Suche nach auffälligen Steinformationen oder umgestürzten Bäumen, die aus dem richtigen Winkel betrachtet, Runen-Symbolen gleichen, ist wegen fehlender Orientierungshilfen auf Dauer etwas nervig.

Absolut ungewöhnlich: Verlorene Gefechte enden nicht mit dem sofortigen Ableben der Heldin. Vielmehr schreitet eine in Senua schwelende Krankheit voran, die zunächst ihren Arm befällt. Erreicht die Fäulnis schließlich das Gesicht der Kelten-Amazone, findet das Abenteuer ein jähes Ende und der Spielstand wird komplett gelöscht! Bedeutet: Alles nochmal von vorne! Für all jene, dich nach sieben bis acht Stunden kurz vor dem Finale stehen besonders schmerzhaft.

All das macht "Hellblade" zu einem eigenwilligen Gesamterlebnis, das irgendwo zwischen imposanter Grafikdemonstration und interaktiver Trauma-Studie verortet ist. Ein Wahnsinnstrip durch die Unterwelt, bei dem man niemals weiß, wo die Realität aufhört beziehungsweise der persönliche Albtraum der Heldin beginnt.

Als Spiel ist "Hellblade" mit seinen wenigen Action- und Rätseleinlagen sowie dem Verzicht auf übliche Mechaniken und Anzeigen dagegen ein sehr reduziertes Vergnügen. Dafür ist es den Entwicklern umso eindrucksvoller gelungen, den Leidensweg ihrer zunehmend verstörten Protagonistin glaubwürdig zu illustrieren - und eines der intensivsten und bedrückendsten Psycho-Spielchen des Jahres abzuliefern.

Robert Bannert

Game
SpielnameHellblade: Senua's Sacrifice
HerstellerNinja Theory
VertriebNinja Theory
Erhältlich ab08.08.2017
Bewertung Gesamtbefriedigend

Erhältlich für:
PlayStation, PC / Mac

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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