Games / Reportage

Und es hat Klick gemacht ...

Nintendos Neue: Was Sie vor dem Kauf über die Switch wissen müssen

Es ist soweit: Nintendo bringt seine neue Konsole Switch auf den Markt - und beerbt damit die Wii U und den 3DS gleichermaßen. Was das innovative System auszeichnet, welche Schwächen es hat, wie teuer Gerät und Zubehör sind, welche Spiele zum Start verfügbar und welche noch geplant sind - all das erfahren Sie hier.

Was ist Switch?

Nintendos "Switch" ist ein Hybrid aus Hosentasche- und Heimkonsole. Das Herz des autarken Systems ist ein Tablet mit 6,2-Zoll-Touchscreen (15,7 cm), in dem CPU und Grafikchip untergebracht sind. Die Switch wird entweder über eine Docking-Station mit dem Fernseher verbunden oder mit wenigen Handgriffen - links und rechts rasten mit einem Klick zwei Mini-Controller ein - für den Unterwegs-Gebrauch fit gemacht. Diese bunten, gut verarbeiteten Mini-Controller - Joy-Cons genannt - sind echte Funktions-Tausendsassa. Sie lassen sich am Tablet festmachen oder bilden zusammen mit dem Verbindungselement "Grip" ein klassisches Gamepad. Alternativ können die Joy-Cons - durch + und - gekennzeichnet - auch losgelöst im Verbund oder dank einer Vielzahl von Knöpfen und eines Analogsticks einzeln genutzt werden. Etwa, wenn die Nintendo Switch mithilfe eines kleinen (klapprigen) Ständers zum kleinen Fernseher wird. So lassen sich unterwegs auch Splitscreen-Duelle austragen - sofern man gute Augen hat. Zurücklehnen ist nicht, dafür ist das Display viel zu klein. Die kleinen, federleichten Controller liegen dabei halbwegs gut in der Hand. Nur bei langen Sitzungen droht Krampfgefahr!

Was macht die Joy-Cons so teuer?

Eine eingebaute Sensor-Kamera zur Erkennung von Entfernungen und Umrissen, ein NFC-Chip für Amiboo-Figuren, eine fortschrittliche Rumble-Funktion und natürlich jede Menge Bewegungssensoren machen die Joy-Cons zum teuren Vergnügen: Rund 80 Euro kostet ein Paar.

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Wie teuer ist die Switch?

Apropos: Für die Switch müssen Sie ab 3. März rund 330 Euro hinblättern.

Was ist im Paket?

Neben der eigentlichen Konsole bekommt man für sein Geld eine Docking-Station, zwei Joy-Cons nebst Halteschlaufen, ein Joy-Con-Grip und den dazugehörigen Kabelsalat nebst Netzteil. Ein Spiel sucht man jedoch vergebens im Starterpaket. Hier müssen Sie auf jeden Fall noch ein Extra-Budget einplanen.

Was gibt es an Zubehör?

Pünktlich zum Verkaufsstart der Switch steht auch jede Menge Zubehör im Regal - von zusätzlichen Netzteilen über Schutzhüllen und -Folien bis Plastiklenkräder für die Joy-Cons. Am interessantesten dürfte jedoch der Switch Pro Controller sein. Das hervorragend verarbeitete und deutlich komfortablere Gamepad kostet jedoch stolze 70 Euro. Schwacher Trost: Es lässt sich auch auf Windows-PCs nutzen.

Wie lange hält die Switch unterwegs durch?

Der Akku im Mobile-Betrieb hat laut Nintendo - je nach Spiel - für zweieinhalb bis sechseinhalb Stunden Saft. Beim neuen "Zelda"-Abenteuer "Breath of the Wild" will die Switch nach rund drei Stunden aufgetankt werden. Geladen wird das Mobilteil über den USB-C-Anschluss - nach 2,5 Stunden war die Anzeige wieder bei 100 Prozent. Schräg: Im Tisch-Modus lässt sich die Switch nicht laden - der Anschluss ist auf der Unterseite des Geräts.

Gibt es Unterschiede zwischen dem mobilen und stationären Spielen?

Um den Akku zu schonen, hat das Display der Switch "nur" eine 720p-Auflösung - entsprechend geringer fällt auch die Rechenlast aus. Ist das System dagegen über die Docking-Station mit einem großen TV-Gerät verbunden, schafft die Switch Full-HD. Die Lüfter auf der Rückseite drehen dann allerdings auch deutlich lauter.

Wie hoch ist das Leistungsniveau der Switch?

Die Nintendo Switch verfügt mit einem modifizierten Nvidia-Tegra-Chip und 4 Gigabyte Arbeitsspeicher nur über etwas mehr Leistung als die Vorgänger-Konsole Wii U. Ob künftige Top-Titel von Drittherstellern wie "Red Dead Redemption 2", "Mass Effect: Andromeda" oder "Call of Duty" darauf laufen werden, ist unklar. Immerhin: Ein "FIFA" ist bereits geplant - doch dazu später mehr.

Was ist das Tollste an der Switch?

Die Flexibilität! Es dauert keine Sekunde, bis die Switch vom Wohnzimmer- in den Mobil-Modus wechselt. Ein äußerst faszinierender Moment - und ein echter Glücksfall für Pendler, die in Zug, Bus und Bahn einfach dort weiterspielen können, wo sie am Abend zuvor aufgehört haben. Vor allem, weil das System inklusive Joy-Cons mit 420 Gramm auch noch etwas leichter ist als ein iPad Pro 9,7. Zum Vergleich: Das alte Wii-U-Gamepad wog rund 460 Gramm.

Was ist die größte Schwäche der Switch?

Doch Nintendos Neue glänzt nicht nur durch ihre Wandelbarkeit. Sie hat auch ein paar unschöne Schönheitsfehler. Einer davon ist der interne 32-Gigabyte-Speicher - nicht gerade viel, wenn man bedenkt, dass die Download-Variante des neuen "Zelda"-Games alleine rund die Hälfte davon beansprucht und Spiele wie "Dragon Quest Heroes 1 & 2" den Rahmen sogar sprengen. Immerhin: Durch einen Speicherkartenslot kann er theoretisch auf bis zu 2 Terabyte vergrößert werden. Gängig und bezahlbar sind derzeit jedoch Micro-SD-Karten mit 128 GB für rund 40 Euro. Ein weiteres Problem ist das schwache Spieleangebot zum Start.

Wie sieht das Launch-Lineup aus?

Die Anzahl der Start-Titel ist überschaubar: Rund ein Dutzend Spiele gibt's zu kaufen, manche davon nur über Nintendos eShop, weil es sich um Umsetzungen bewährter Indie-Games handelt. Wichtigstes Zugpferd ist natürlich das neue "Zelda"-Abenteuer "Breath of the Wild". Links erster Open-World-Ausflug hat das Zeug zum Systemseller, auch wenn Xbox One und PlayStation4 schönere Titel vorweisen können. Für Gelegenheits- und Party-Gamer dürfte die Mini-Spielsammlung "1, 2, Switch" interessant sein, die sogar weitestgehend ohne Bildschirm auskommt. Stattdessen werden Reaktionstests in Form von Revolver-, Schwert-, Tischtennis- oder Melk-Duellen ausgetragen. Ja, ja, richtig gelesen. Hier kommt auch das feine "HD-Rumble"-Feature in den Joy-Cons zum Einsatz - etwa wenn man durch sachtes Kippen und Neigen bestimmen soll, wie viele virtuelle Kugeln im Inneren des Mini-Controllers gerade hin und her rollen. Wie eine Mixtur aus digitaler Bastelstunde und gemeinschaftlicher Knobelrunde wirkt indes das innovative "Snipperclips": Im Switch-exklusiven Party-Game sollen mithilfe zweier auf Knopfdruck zurechtgestutzter Figuren zahlreiche Rätselanordnungen gelöst werden. Der Download-Titel ist so etwas wie der Geheimtipp im Launch-Line-Up. Dazu kommen Umsetzungen bekannter Marken wie "Just Dance" oder "Skylanders".

Wie viele Games sind bereits geplant?

Die äußerst überschaubare Spiele-Auswahl zum Auftakt ist niederschmetternd - und könnte wie bei der Wii U ein echter Stolperstein für die Konsole sein. Nachschub soll jedoch bald folgen. Laut Nintendo befinden sich über 80 Titel - erstmals ohne Regionalsperre - in der Entwicklung. Das ungewöhnliche Box-Spiel "Arms", bei dem Joy-Cons die linke und rechte Faust des Spielers repräsentieren, soll im Frühjahr aufschlagen. Eine "Deluxe"-Ausgabe von "Mario Kart 8" rollt Ende April an den Start. Die Fortsetzung der beliebten Multiplayer-Farbschlacht "Splatoon" schafft es gar erst im Sommer in die Läden. Noch später meldet sich Mario mit einem Jump&Run zurück: In "Super Mario Odyssey" wird der kleine Klempner ebenfalls zum Open-World-Held und muss mithilfe seiner cleveren Kappe Welten fernab des Pilzkönigreichs retten. Allerdings erst gegen Ende des Jahres. Darüber hinaus hat Electronic Arts' Vize-Chef Patrick Söderlund noch für dieses Jahr ein Switch-"FIFA" versprochen. Ein neues "Rayman"-Abenteuer, ein "Minecraft"-Ableger, die Snowboard-Sause "Steep" und ein neues "NBA 2K"-Spiel sind ebenfalls in Arbeit.

Wie hoch sind die Online-Kosten?

Bis Herbst sind Online-Features noch kostenlos, danach will Nintendo Geld verlangen. Der Preis in Japan soll zwischen 2.000 und 3.000 Yen jährlich liegen - das wären ungefähr 17 bis 25 Euro. Zum Vergleich: Die Xbox- und PlayStation-Mitgliedschaften schlagen im gleichen Zeitraum mit 60 beziehungsweise 50 Euro zu Buche - der Nintendo-Service wäre also deutlich günstiger. Apropos online: Apps von Streaming-Anbietern wie Netflix oder Amazon Video sucht man vorerst noch vergebens auf der Switch. Und auch wie viel ein Akkutausch später bei Nintendo kosten wird, ist noch nicht bekannt.

Das Fazit:

Kaufen oder nicht kaufen - das ist die Frage. Nach einer Woche im Test darf man einerseits begeistert sein: Keine Konsole bietet so viel Freiheit, ist so flexibel wie die Switch. Andererseits: Das Spieleangebot ist vorerst recht mau - und das neue "Zelda" ist zwar ein echter Kaufgrund, erscheint aber auch zeitgleich für die alte Wii U.

Gerd Hilber

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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