Musik / Backstage

"Die Welt braucht Musik wie diese"

veröffentlichen ihr selbstbetiteltes Debütalbum

B-Real und Brad Wilk schwärmen. Einige Tage vor dem Interviewtermin traten sie bei "Rock am Ring" auf. Es sei "eines der besten Festivals überhaupt", so ihre einhellige Meinung. B-Real (47) ist Rapper und wurde mit Cypress Hill bekannt, Brad Wilk (48) ist Schlagzeuger und machte sich mit Audioslave sowie Rage Against The Machine einen Namen. Zusammen sind sie ein Drittel der neuen Supergruppe Prophets Of Rage, die anderen beiden Drittel bilden Tom Morello und Tim Commerford (beide Rage Against The Machine, Audioslave) sowie DJ Lord und Chuck D von Public Enemy. Am Abend werden sie Berlin zum "Ragieren" bringen, erst einmal jedoch sitzen sie gemütlich auf dem Sofa und erzählen. Über die Entstehung ihres selbstbetitelten Debütalbums, Chris Cornell und die Rolle von Donald Trump.

Großartig sind nicht nur ihre Erfahrungen mit den hiesigen Festivals, auch die musikalische Atmosphäre in Deutschland selbst kommentieren B-Real und Wilk durchweg positiv. Für Cypress Hill sei dies einer der größten Märkte in Europa, auf dem sie sich über 26 Jahre Bandgeschichte hinweg immer gut aufgenommen fühlten. Und was Rage Against The Machine anbelangt, erinnert sich Wilk: "Unsere erste Tour fand in Europa statt, wir waren ungefähr acht Wochen in Großbritannien und Deutschland zusammen mit Suicidal Tendencies unterwegs. Und man merkte einfach, dass das Publikum hier schon bereit war für uns und unseren musikalischen Stil." Wobei, so die Vermutung, dies auch daran gelegen haben könnte, dass die Texte sich stark mit der amerikanischen Politik befassten und das Ganze für die Europäer somit eine Pille gewesen sein könnte, die "leichter zu schlucken" war.

Das war Anfang der 90er-Jahre. Mittlerweile ist die amerikanische Politik (wieder) zum globalen Topthema geworden. Die Frage liegt nahe: Gäbe es die Prophets Of Rage, wenn Donald Trump nicht kandidiert hätte? "Nun, das war definitiv ein Funke. Wobei es nicht zwangsläufig Donald Trump selbst war, sondern vielmehr das Klima, bevor er Präsident wurde." Als Tom Morello alle anrief und sie sich trafen, seien die "Antennen ausgefahren" gewesen.

Man merkt B-Real und Brad Wilk an, wie wichtig ihnen der gesellschaftspolitische Aspekt ist. Die Musik, welche sich als Crossover aus Metal und Hip-Hop in die Ohren fräst, transportiert eine Einstellung, die in Zeiten von Einweg-Songs und viel Oberflächlichkeit vielleicht notwendiger denn je ist. "Ich glaube, die Menschen brauchen seit Langem schon eine Band wie Prophets Of Rage. Die Welt braucht Musik wie diese. Musik, die darüber spricht, was in der Welt abgeht", erklärt der Rapper B-Real. "Wie in den 60-ern, als Vietnam passierte, die Bürgerrechtsbewegung. Die Menschen engagierten sich, sie kämpften für ihre Rechte, und Künstler nutzten ihre Stimme, um Menschen zu inspirieren. Im Vergleich dazu ist die Zeit heute eine schlechte. Weil wir so viel Ablenkung, so viel Zerstreuung haben."

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Langsam reden sie sich in Fahrt. Sicher gebe es in den USA Probleme. Aber: "Es gibt überall Probleme. Und ich denke, selbst wenn die Wahl anders ausgegangen wäre, wenn wir Hillary Clinton oder Bernie Sanders hätten, wäre diese Band zusammengekommen." Die Menschen hätten Politik und lügende Politiker generell satt.

Die Worte der beiden Musiker bestätigen, was die bereits veröffentlichten Videoclips und Songs ankündigten: Das hier ist eine Band, die sich einmischt. Die durchaus der Meinung ist, dass Musik etwas verändern kann. "Wir haben die Kraft, ein Funke für jemandes Gedanken zu sein. Das ist ein großer Moment. Wenn wir auf die Bühne gehen und diesen Effekt nur bei einem einzigen Menschen erzielen, ist das wunderbar", erklärt ein begeisterter Brad Wilk, und B-Real legt mit wütendem Seitenblick auf die gegenwärtige Medienlandschaft nach: "Die Menschen tendieren dazu, einzuschlafen. Und schau dir die Nachrichten an. Egal, aus welcher Ecke der Welt sie kommen. Die lügen uns verdammt nochmal an. Und bekriegen sich gegenseitig, statt uns angemessen zu informieren. Du kannst ihnen nicht mehr trauen. Du musst sorgsam über das Internet eine glaubwürdige Quelle suchen, um herauszufinden, was los ist."

"Make America Rage Again", lautet das großartige Motto der Prophets-Of-Rage-Tournee. Wobei den Mitgliedern auch klar ist, dass es nicht allen um die Botschaft gehen wird. Sondern dass es durchaus auch Fans gibt, welche sich lediglich an der Musik erfreuen. Daher wird auch die Frage, ob die Musiker Trump-Wähler in ihrem Publikum vermuten, spontan mit "Ja" beantwortet. Die Hörer müssten ja nicht unbedingt mit dem einverstanden sein, was die Prophets Of Rage sagen. Das sei okay. Denn "am Ende des Tages sind wir Künstler und wollen Leute unterhalten. Und außerdem: Wenn es dort draußen einen Trump-Supporter gibt, der plötzlich erkennt, über was wir reden, dann haben wir unseren Job gut gemacht."

Auch am Abend in der Spandauer Zitadelle lassen die Prophets Of Rage ihrer Wut freien Lauf. Das Publikum stimmt mit ein, die Krönung erfolgt mit dem RATM-Klassiker "Killing In The Name Of". Bei aller Energie schwingt jedoch noch ein anderes Gefühl mit: Die Trauer um Chris Cornell, der durch sein Mitwirken bei Audioslave eng mit den Prophets Of Rage verbunden war und noch im Januar auf dem "Anti-Inaugural-Ball" mit seinen Kollegen auftrat. B-Real erinnert sich: "Er schien sehr optimistisch und glücklich, er sah gut aus, auf der Bühne war er unglaublich gut". Brad Wilk, einstiger Cornell-Bandkollege von Audioslave, ergänzt mit einer leiser werdenden Stimme: "Wir spielten gemeinsam drei Songs, und es war wunderbar. Er starb viel zu früh. Er war ein Bruder, ich werde ihn sehr vermissen."

Alexander Diehl

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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