Musik / CD

Käptn Peng und die Tentakel von Delphi: Das nullte KapitelHartes Brot

Sprachgewaltig, kunstbedacht, durchgeknallt - Käptn Peng und die Tentakel von Delphi sind anders. Wissenschaftliches, Literarisches, Historisches sowie Alltag und Gegenwart verquirlt in Lyrics, der stetige Gitarren-, Percussion- und Synthie-Kampf gegen die Einfachheit des beim Rap gewohnten Dauer-Loops und obendrauf absolute Partytauglichkeit - die Band ist angetreten, um einfach anders zu sein. So verwundert es nicht, dass auch "Das nullte Kapitel" viel Bereitschaft von seinen Hörern fordert.

Es scheint immer wieder ein Stückchen Fettes Brot durch bei Käptn Peng und die Tentakel von Delphi. Die jungen Fettes Brot. Genauer der junge Dokter Renz. Denn Käptn Peng alias Schauspieler(-Sohn) Robert Gwisdek und die Deutschrap-Legende klingen zum Verwechseln ähnlich. Fast unheimlich gar wird es, wenn Gwisdek Druck auf die Stimme legt. Verspieltheit und die Umschiffung von allzu dröger Ernsthaftigkeit ist natürlich auch eine gemeinsame Geliebte der Bands.

Doch die Berliner sind eigentlich schon viel zu lange dabei, um sich noch einem solchen Vergleich stellen zu müssen. Ist dieser jedoch wie nun geschehen hilflos im Raum platziert, hört man bereits Peng-Fans protestieren: So intelligent wie der Rap ihrer Lieblinge waren Fettes Brot nie. Wollten sie bestimmt auch nie. Die Gefahr, seine Zuhörer mit allzu viel Schläue zu erschlagen, ist bei der Wortdichte von Rap nämlich nicht zu unterschätzen. So geschieht es auf "Das nullte Kapitel", der vierten Veröffentlichung Gwisdeks, immer wieder. Gerade die ersten Hörversuche lassen einen geplättet zurück.

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Was das Kollektiv dagegen ins Gefecht führt, sind gerne Refrains, die jedwede Strenge auflösen sollen. Da heißt es mal "WobWobWob" oder das Alphabet wird unter NuMetal-Gitarren runtergerattert. Das wird live funktionieren und funktioniert auf Platte zumindest als kurze Brechung zu den vollgeladenen Zeilen. Surrealismus ("Spiegelkabinett") findet in denen statt, und wenn Gwisdek die Holzköpfe der Gesellschaft angreift, werden diese das kaum begreifen können ("Neue Freunde"). Bis eine zufriedenstellende Anzahl von Rätseln gelöst, Schlösser geknackt und Bildern zugeordnet ist, braucht es viel Zeit und Muße.

Inwieweit die Anstrengung überhaupt gewollt oder auch nötig ist, auch das eröffnet sich einem erst nach einer Weile: In "Meister und Idiot" kokettiert Käptn Peng mit seinem lyrischen Spiel, stellt schizophren den Allwissenden dem nach außen dringenden Naivling gegenüber. "Tango im Treibsand" ist eine Off-Beat-Liebeserklärung, bei der das mögliche Scheitern der Zweisamkeit von harten Gitarren verkündet wird. "Gelernt" greift Feminismus-Verweigerung und Selbstdarstellungswahn an - instrumental sparsam, doch allein durch den textlichen Vortrag intensiv. Mit diesen leichter entschlüsselten Tracks fängt es an, danach kann das Perlentauchen beginnen.

Max Trompeter

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelDas nullte Kapitel
Bandname/InterpretKäptn Peng und die Tentakel von Delphi
GenreRap
Erhältlich ab19.05.2017
LabelKreismusik
VertriebSoulfood
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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