Musik / CD

Randy Newman: Dark MatterMit Blues, Charme und Satire

Wenn einer inmitten des vergangenen Jahres nach langer Zeit einen Song namens "Putin" herausbringt und darin Zeilen wie "When he takes his shirt off / Makes me wanna be a lady" zum Besten gibt - dann muss das jemand mit Chuzpe sein. Songwriter-Jazz-Legende Randy Newman, mit seinem unnachahmlich unverschämten Charme, stellte den russischen Präsidenten 2016 so selbstverständlich entspannt bloß wie kein zweiter Künstler. Nach der vieldiskutierten Single veröffentlicht der 73-jährige Kalifornier mit "Dark Matter" nun das zugehörige Album. In der gewohnt einzigartigen Mischung aus bissigen politischen Kommentaren, dreister intellektueller Leichtigkeit und blühenden Ragtime-Eskapaden liefert der zigfache Oscar- und Grammypreisträger abermals eine Definition für Schneid im Musikbetrieb.

Mit "Welcome, Welcome, Welcome" begrüßt Newman seine Hörer im einleitenden Achtminüter "The Great Debate", um ihnen gleich darauf anzukündigen, "to get some answers to complicated questions". Er spricht damit freilich wie immer nicht aus seiner Sicht, sondern aus jener der Politiker in TV-Debatten. Mit dem Opener gibt der Meister die Richtung seines elften Studioalbums seit 1968 vor: einsteigend mit großer, doch immer ironisch gemeinter Geste; fortführend mit kleinen experimentellen Blues-Jazzkapaden, hin zum tanzbaren Ragtime-Ausflug, der mit einem sarkastisch vorgetragenen "Someone is watching me" endet. Newman, der Entertainer und Kritiker, versteht es wie eh und je, klassische US-Musikunterhaltung zwischen Blues, Jazz und Rock mit seinem bissigen satirischen Unterton zu verbinden.

Begleitet von Piano, Gitarre, Streichern und Bläsern liefert Randy Newman mit seiner unverkennbaren Stimme auf "Dark Matter" jenes vielfältige Arrangement, das ihm in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur sechs Grammys, drei Emmys, eine Mitgliedschaft in der Rock and Roll Hall of Fame sowie einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame bescherte, sondern auch 20 Oscar-Nominierungen und zwei Oscars. Den Pathos und die Schönheit der Filmmusik, die er als Schöpfer von Scores diverser Disney-Filme in ihrer Essenz versteht, lässt Newman immer mit einfließen - etwa im grandios sentimentalen "Toy Story"-Stück "Wandering Boy" oder im "Monk"-Titelsong "It's A Jungle Out There".

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Wer wie Newman diese perfekt abgestimmte Form versteht, das erhabene Orchestrale zelebriert - der kann inhaltlich radikal walten, wie er möchte. Auch wenn er, der Redneck-Feind und Linksliberale, dafür oft von rechts angegangen wurde. Bei "Dark Matter", dem schwarzhumorigen Musical voller politischer Anspielungen, wird das nicht ausbleiben. Und das, obwohl Newman seinen Trump-Schmähsong samt Schwanzvergleich vom Album strich. Lieber schlüpft Newman, der laut Eigenaussage nie autobiografisch wird, in mannigfaltige lyrische Ichs - etwa jenes des von ihm bewunderten Bluesmusikers "Sonny Boy" im gleichnamigen Song.

Dass der (nicht zu Unrecht) oft als Satiriker verstandene Musiker auch ernsthaft kann, zeigt er etwa in "Lost Without You", einem wundervollen Piano-Liebessong, oder dem ruhigen "She Chose Me". Dass die Essenz des Lebens in Liebe, Humor, Schönheit, Kritik sowie in der Kombination aus all dem zu liegen scheint, beweist Randy Newman auf "Dark Matter" wieder mit leichtestem Charme.

Maximilian Haase

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelDark Matter
Bandname/InterpretRandy Newman
GenrePop
Erhältlich ab04.08.2017
LabelNonesuch
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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