Musik / CD

Kesha: RainbowDie Zeit danach

Befreiung per Rundumschlag: Knapp vier Jahre musste die US-Amerikanerin Kesha Rose Sebert ein Tal der Tränen durchwandern. Ein Rechtsstreit wegen sexueller Übergriffe des Produzenten Dr. Luke, der sie im Alter von 18 Jahren unter Vertrag nahm, brachte nicht die von ihr gewünschte Gerechtigkeit mit sich. Stattdessen gab es einen riesigen Medienrummel. In der Folge litt die mittlerweile 30-Jährige unter einer Essstörung und verbrachte lange Zeit in einer Reha-Klinik. Genau dort schrieb sie auch die ersten Zeilen zu ihrem dritten Soloalbum "Rainbow". Wer dadurch ein verbittertes, düsteres Werk erwartet, der wird aus dem Staunen nicht mehr rauskommen. Kesha zeigt sich erstarkt und zelebriert das Leben.

Schon zu Beginn steht die gitarrengetriebene Anti-Arschloch-Hymne "Bastards". Wenig subtil beschreibt der Pop-Superstar darin, das ganze Leben unterschätzt worden zu sein. Der Track läuft auf einen großen Moment mit Orchester hinaus, der alles harmonisch auflöst. Die Leichtigkeit ist spürbar. Auch in "Let 'em talk" winkt sie lieber mit dem Zaunpfahl, als sich in Zurückhaltung zu üben. Die Raketenabfahrt einer Pop-Rock-Nummer ruft laut dazu auf, den Hintern zu schütteln und auf das Gerede der Leute nicht einen Pfifferling zu geben. Das Thema hat man zwar schon tausendmal gehört, wird hier aber wunderbar nonchalant präsentiert.

Der kraftvolle Lobgesang auf Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein in "Woman" wirft nebenbei gängige Klischees über den Haufen und fährt den Highway runter, während die Männer im Auto hinten Platz nehmen müssen. Das alles passiert in einer für Pop-Musik ungewohnt vulgären Sprache, wirkt aber nicht aufgesetzt, sondern verleiht dem Aufschrei Nachdruck. "Rainbow" will kein Kompromiss sein und zeigt Mittelfinger im Vorbeirauschen.

mehr Bilder

Dann allerdings wird die Leadsingle "Praying" zu einer Zerreißprobe für den Hörer. Das Piano spielt gerade auffällig genug, dass es den Song als Ballade erkennbar macht, Hauptinstrument aber ist Keshas Stimme, die nach oben ausreißt, sich fast selbst zerfleischt. Auch in den einsamen Momenten zeigt sich die Sängerin verwundbar - aber stark. Dass das kein Widerspruch ist, ist ihrem Gesang zu verdanken, der alles gleichzeitig will und kann.

Überhaupt ist die Balance zwischen emotionalen Klageliedern und auflockernden Pop-Hymnen die große Stärke von "Rainbow". Die Entscheidung für eine von beiden Ausrichtung hätte nicht geklappt, hätte gelangweilt. Die Symbiose aus beidem bringt Songs wie "Learn to Let Go" hervor. Der wohl eingängigste Hit der Platte therapiert sich selbst und verabschiedet sich von den Dämonen, auch wenn derer einige durch das Werk schwirren. Fünf Jahre nach dem Vorgänger "Warrior" ist Kesha mit einer überraschend befreiten Platte zurück, die im Herzen immer noch Pop ist, aber so viel mehr sein kann, wenn man ihr mehr als ein Ohr leiht.

Arne Lehrke

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelRainbow
Bandname/InterpretKesha
GenrePop
Erhältlich ab11.08.2017
LabelRCA
VertriebSony
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel


CD-Archiv

CD-Archiv

Suchen Sie in der Radio Erft - CD-Datenbank nach Interpreten und/oder CD-Titeln.


CALVIN HARRIS FEAT. PHARRELL WILLIAMS, KATY PERRY
Ticketshop

Sichern Sie sich im Radio Erft Ticketshop die Tickets Ihrer Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite