Musik / CD

The National: Sleep Well BeastPaartherapie tut gut

Gefühlt das ganze Jahr auf Tour, dazu eine offenbar recht ausgeprägte Liebe zum Wein: Man kann sich als Außenstehender ausmalen, dass die Ehe von The-National-Sänger Matt Berninger und Carin Besser, die für die Zeitschrift "The New Yorker" arbeitet, immer wieder großen Belastungsproben ausgesetzt ist. Trotzdem ist man ein wenig verwundert, dass das Thema Beziehung auf "Sleep Well Beast", dem siebten Studioalbum der Indie-Rock-Giganten, eine so bedeutende und klar definierte Rolle spielt. Tatsächlich wird hier wohl so etwas wie Paartherapie betrieben: Carin Besser hat selbst an den Lyrics zu einigen Songs mitgeschrieben.

Auf den Inhalt achtet man zunächst allerdings nicht. Bedrohlich wie Drohnen schwirren immer wieder elektronische Klänge durch die Tonspuren, die man von The National so nicht gewohnt ist - üblicherweise werden die Stücke vom Schlagzeug und wahlweise von der Gitarre oder dem Klavier getragen. Wäre da nicht Berningers markante Stimme, die die letzte Silbe immer wieder träge über den Takt hinausschleppt, hätte man gelegentlich Probleme damit, "Sleep Well Beast" als die neue Platte von The National zu identifizieren.

"Walk It Back" zittert sich mit Synthesizern in den Raum und lässt sich bei einer Länge von sechs Minuten jede Menge Zeit, um sich zu setzen, sich zu öffnen und ein richtiger Song zu werden. "Empire Line" hingegen versteckt sich hinter digitalen Drums, und der Titeltrack baut sich auf einem Sample auf. Das ist neu, das ist ungewohnt, das ist verdammt frisch für eine Band, von der man bereits angenommen hatte, dass sie ihren versöhnlichen, altersmilden Sound gefunden hat. Hinzukommt mit "Turtleneck" ihr direktestes und lautestes Stück Rock seit "Mr. November" (aus dem Album "Alligator", 2005).

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Und worum geht es nun in diesen Songs? Seit über 15 Jahren lassen die Texte mit ihren kryptischen Formulierungen die verschiedensten Interpretation zu und schrecken potenzielle neue Hörer mit ihrer Sperrigkeit ab. Auf "Sleep Well Beast" handeln die Songs von Beziehungen innerhalb der Band, Berningers Ehe, Wein, Weed, sie werden damit überraschend lebensnah und greifbar. "Day I Die" verhandelt direkt die Themen Abwesenheit und Alkoholkonsum, während "Born To Beg" eine schwelgerische Liebeserklärung ist, die mit Einfachheit begeistert.

Zwar war Berningers Frau Carin Besser schon bei anderen Songs in das Songwriting involviert und nahm Hintergrundgesang auf, aber auf "Sleep Well Beast" ist ihr Einfluss spürbar wie nie. Und: Wo der Vorgänger "Trouble Will Find You" sich quasi noch ein Antidepressivum in den Drink mischte, ist auf der neuen Platte eine Offenheit bemerkbar, die ungemein versöhnlich wirkt. Die nach Liebe (auch in harten Zeiten) klingt und die den leidenschaftlichen Melancholikern von The National mindestens genauso gut steht, wie ihre perfekt sitzenden Anzüge.

Mit der Erforschung neuer elektronischer Klangfelder und ungewohnt nahbaren Texten wird das neue Werk der Kritikerlieblinge nicht zum besten Album, das sie je aufgenommen haben, aber zum überraschendsten seit dem lauten und hungrigen "Alligator" aus dem Jahr 2005.

Arne Lehrke

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelSleep Well Beast
Bandname/InterpretThe National
GenreIndie
Erhältlich ab08.09.2017
Label4AD/Beggars Group
VertriebIndigo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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