Musik / CD

Neil Young: HitchhikerPer Anhalter mitten durchs Herz

Mit seinen bald 72 Jahren denkt Neil Young gar nicht daran, sich auf sein Altenteil zurückzuziehen. Der Herbst seiner Karriere beschert den Fans eine Veröffentlichung nach der anderen. So unterschiedlich diese auch sind: Gut sind sie alle, und manchmal sogar phänomenal - wie das Feedback-Bilderbuch "Psychedelic Pill" von 2012 oder die aus dem Ärmel geschüttelte Protest-Platte "Peace Trail" aus dem letzten Jahr. Auch aus seinen persönlich kuratierten Archiven fördert der Verfechter des unverfälschten analogen Klanges und des hochauflösenden Digitalsignals immer wieder Hochwertiges zutage, man denke etwa an "Neil Young Archives Vol. I (1963 - 1972)" aus dem Jahr 2009. Dass der neueste Schatz aus seiner historischen Sound-Bibliothek, "Hitchhiker", nicht nur in dem goutierten Format Vinyl, sondern auch wieder auf der von Young verachteten CD erscheint, damit hat er sich mittlerweile wohl abgefunden. Schließlich muss der Markt bedient werden.

Sowieso ist "Hitchhiker" so gut, dass definitiv auch Nicht-Klangpuristen ihren Spaß damit haben werden. Denn die Aufnahmen aus dem Sommer 1976, die in einer kurzen Session in Malibu von Studiokumpan David Briggs mitgeschnitten wurden und lange als verschollen galten, dokumentieren den damals 30-jährigen Neil Young in der Blüte seines Schaffens.

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Nur mit der Akustischen ausgestattet, klampft sich Young durch einige seiner größten Songs, die erst Jahre später in teils elektrifizierten Versionen auf diversen Studio- bzw. Live-Alben erschienen. So dürfen wir beispielsweise den bekannten Young-Epen "Pocahontas", "Powderfinger" und "Ride My Llama" - die seit "Rust Never Sleeps" jeder Fan runterbeten kann - in erhabenen, beinahe skelettiert instrumentierten Demo-Versionen beiwohnen. Der Titeltrack wurde von dem Kanadier gar erst 2010 auf der geisterhaften Effektgeräte-meets-Tonabnehmer-Orgie "Le Noise" erstmals hinaus torpediert. In der hier vorliegenden Lagerfeuer-Version erreicht der Song diese einnehmende, sich aus der Seele windende Unmittelbarkeit, die immer typisch war für den frühen Young mit seinem juvenilen Timbre.

Neils fragile Vokale scheinen auf "Hitchhiker" wie aus der Zeit gefallen. Bekanntes ("Captain Kennedy", "Campaigner") und Unveröffentlichtes ("Hawaii", "Give Me Strength") reihen sich eine gute halbe Stunde lang ohne Qualitätseinbußen aneinander, was selbstverständlich auch für den vorbildlich restaurierten Sound der in die Jahre gekommenen Aufnahmen gilt. Die versöhnliche Piano-Ballade "The Old Country Waltz", die ein Jahr nach der "Hitchhiker"-Session auf dem Longplayer "American Stars'n'Bars" zu einem verkitschten Country-Schunkler mutieren sollte, gestaltet den würdigen Abschluss dieser über vierzig Jahre alten, wunderschönen Momentaufnahme.

Constantin Aravanlis

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelHitchhiker
Bandname/InterpretNeil Young
GenreSinger/
Erhältlich ab08.09.2017
LabelReprise Records
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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