Musik / CD

Herren: Neue Deutsche HerrlichkeitVom "Sternenhimmel" hinab in die Finsternis

Herren? Bei dem Bandnamen werden die meisten ratlos mit den Achseln zucken, selbst unter Metal-Insidern ist die Gruppe aus Dessau weitgehend unbekannt. Noch. Denn seit Neuestem gehört Hubert Kah zu der Industrial-Metal-Formation, und den kennt man natürlich. Mit trashigen TV-Auftritten, unter anderem bei "Promi Big Brother", gelang es dem einstigen NDW-Star ("Sternenhimmel") in der jüngeren Vergangenheit, sich wieder ins Gespräch zu bringen. Bei Herren sei ursprünglich nur ein Gastbeitrag von Kah angedacht gewesen, vor wenigen Monaten wurde der 56-Jährige dann aber doch als vollwertiges Bandmitglied vorgestellt. Er heiße jetzt Hubert von Herren zu Grünlingen und sei "sehr erpicht darauf", sein "blaues Blut in die Menge zu ergießen". Nun denn, Hubert, dann lass mal bluten.

"Neue Deutsche Herrlichkeit" heißt das Werk, das Kahs Zusammenarbeit mit Herren dokumentiert. Elf Songs sind es, dem Titel entsprechend angesiedelt im Bereich der Neuen Deutschen Härte, weshalb sie für den gemeinen Hörer allesamt irgendwie nach Rammstein klingen. Wenn dazu Hubert Kah mit seinem manierierten Duktus singt, hat das in der Grundidee natürlich etwas Ulkiges. Schon im ersten Lied ("Mein"), auch da wird mancher an Rammstein denken ("Heirate mich"), geht's mit einer krachenden Nekrophilie-Nummer ordentlich "zur Sache": "Rhythmisch zuckend, liebestoll, spritz' ich dich mit meinem Leben voll / Ich salbe deinen Körper ein / Wenn du erwachst, dann bist du mein."

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So geht es dann immer weiter. Kleine Herzen, die nicht mehr schlagen, Engelschöre, Fäulnis und verbotene Küsse. Alles ist morbide, alles ist irgendwie pervers, und natürlich ist das alles Quatsch. Hubert Kah erfindet sich hier nicht neu, und er gibt auch keine bisher unbekannte Seite von sich preis. Vielmehr schlüpft er mit Hingabe, großer Theatralik und manchmal auch mit ein bisschen Poesie in eine Rolle und spielt Theater. Das ist teilweise durchaus unterhaltsam, driftet bisweilen aber auch ins Nervige ab. Ein ganzes Album hätte es jedenfalls nicht sein müssen. Mundstuhl besangen in einer Rammstein-Parodie einst das "Wurstwasser", Rüdiger Hoffmann legte irgendwann mit "Testosteron" nach - in beiden Fällen war der Witz nach weniger als drei Minuten auserzählt. Was für Henry Henze und Thilo Reinhardt, die beiden Ur-Herren sozusagen, vielleicht gute Werbung ist, fügt dem Ansehen von Hubert Kah nur weiteren Schaden zu.

Hätte man den NDW-Sternensinger nicht in seinem Pyjama gesehen, wie er mit wirrem Blick und zerzaustem Haar durch den Promi-Container geistert, vielleicht könnte man sein Engagement bei Herren anders rezipieren und als unverhältnismäßig aufwendige Narretei zu den Akten legen. Mit Kahs letzten öffentlichen Auftritten im Hinterkopf gewinnt man jedoch den Eindruck, dass er sich in dieser Phase seiner Karriere mit der Rolle der Witzfigur abgefunden hat. Mit Blick auf das Album "Neue Deutsche Herrlichkeit" lässt sich letztlich nur festhalten: Hubert Kah könnte seine Zeit sinnvoller verbringen, und der Hörer auch. Wer in Dessau und Umgebung wohnt, sollte sich trotzdem den 16. Dezember notieren, wenn Herren dort ein Konzert mit Kah spielen - das könnte bei aller Albernheit dann doch ein denkwürdiger Abend werden.

John Fasnaugh

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelNeue Deutsche Herrlichkeit
Bandname/InterpretHerren
GenreDeutsch-Rock
Erhältlich ab17.11.2017
LabelLaute Helden
VertriebSPV
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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