Musik / CD

James Bay: Electric LightHut ab, Sound gut!

James Bays Körperlichkeit bestand 2015 aus nicht mehr als einem Hut (groß) und Haaren (lang, glatt). Einige sahen dazu vielleicht noch ein Gesicht mit geschlossenen Augen, aus dessen Mund schöner Gesang heraustrat, der weich klang und schmerzvoll. Dann gab es da noch Hände, die zupften eine Gitarre. 2015 erschien James Bays Debütalbum "Chaos And The Calm". Damals waren Hüte und lange Haare noch ein bisschen cool, und jeder mochte diesen schlageresken Folk des Briten. Er war catchy und seicht und nicht tiefsinnig. Er tat aber so als ob, und man glaubte es. Jetzt gibt es aber ein Problem. James Bay hat seinen Hut abgenommen. Und die Haare abgeschnitten. Und jetzt ist er plötzlich da mit seiner ganzen körperlichen Präsenz und seinem neuen Album "Electric Light".

James Bay sieht jetzt gestriegelter aus, klingt aber eigentlich viel kaputter als vorher. Zumindest manchmal. Eigentlich ist "Electric Light" ein Mischmasch aus Angesagtem und Dingen, die mal angesagt waren, aber dann ständig für tot erklärt wurden. Sprich: eine Mischung aus Rockmusik im klassischeren Sinne, einem allgegenwärtigen Folk-Deckmantel und aus einer Art R'n'B mit Future-Beat-Nuancen. Die wiederum werden durch Gitarren ergänzt. Was für eine Verwirrung!

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Auf "Wild Love" funktioniert das ziemlich gut. Wild klingt die Liebe zwar nicht, dafür ist der Song wild darauf, auch wirklich überall laufen zu können. Synths, die auch Mura Masa hätte einspielen können, fläzen da im Hintergrund herum, wagen einen kurzen Vorstoß, werden dann aber schnell von Gitarren-Geschrammel abgelöst. All das ist wiederum ins Korsett eines radiotauglichen Pop-Songs gepresst. Das ist schon eine Leistung.

Das ist generell James Bays größte Leistung. Er macht sehr gefällige Musik, singt mit einer sehr schönen Stimme sehr viel schon Gehörtes. Aber er wagt innerhalb der Songs kleine Brüche mit dieser Gefälligkeit. Seine Stücke plustern sich auf, haben Refrains zum Mitsingen, Rhythmen zum Mitklatschen, Parts zum Mitweinen, wenn man eigentlich gar keinen Grund zum Weinen hat. Diesen voraussehbaren Wulst hat Bay mit kleinen Dissonanzen und interessanten Klängen infiltriert. Man muss nur danach suchen. Damit baut er eine Brücke zwischen konformistischem Mainstream und sperriger Avantgarde.

Johann Voigt

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelElectric Light
Bandname/InterpretJames Bay
Erhältlich ab18.05.2018
LabelRepublic
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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