Musik / CD

Jennifer Warnes: Another Time, Another PlaceReifes Lieben, reifes Leben

In den 80-ern war Jennifer Warnes' Stimme omnipräsent: Da war etwa "Up Where We Belong", das Duett mit Joe Cocker aus dem Film "Ein Offizier und ein Gentleman". Oder "(I've Had) The Time of My Life", der Superhit aus einem anderen, das Jahrzehnt kennzeichnenden Film, "Dirty Dancing". Dabei sah die 1947 in Seattle geborene Wahl-Kalifornierin nie aus wie ein Popstar, sondern wie eine, die sich zufällig in das während jener Jahre boomende Pop-Business verirrt hatte. Warnes' Züge waren ein wenig herb, abseits der Bühne trug sie eine Brille. Für ein Pop-Pinup, ja ein Sexsymbol, war diese Frau klar zu ätherisch. Jennifer Warnes, aktive Katholikin, die das Singen in der Kirche praktizierte und in ihrer Jugend ein klassisches Gesangsstipendium ausschlug, wurde tatsächlich nur durch ihre Stimme in den Pop-Olymp katapultiert. Vor dem Erscheinen ihres neuen Albums "Another Time, Another Place" jedoch schwieg diese Stimme 17 Jahre lang. Warum?

In den letzten Jahren verstarben Jennifer Warnes' Mutter, binnen weniger Wochen zwei Schwestern, ihr Manager wurde Opfer eines tödlichen Autounfalls, und auch ihr engster Freund, der große Songwriter Leonard Cohen, mit dem sie sechs Alben aufnahm, segnete nach seinem sprachlos machenden Abschiedswerk "You Want It Darker" 2016 das Zeitliche. Wie bei vielen Menschen, die Verluste erlitten, weckten die Tragödien in Warnes auch eine Liebe fürs Leben.

Als sie nach ihrer langen Auszeit, die sie irgendwo im ländlichen Kalifornien verbrachte, ihren alten Produzenten und Co-Musiker Roscoe Beck anrief, war das für den langjährigen Leonard-Cohen-Bassisten durchaus eine Überraschung. Bald darauf zog Warren für eine Weile in Becks Haus in Texas ein, wo man - im Gewand von Country, Blues, 70er-Songwritermusik und mit ein, zwei Jazzstandards - die Songs durchaus prominenter Leute aufnahm.

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Ein klassisches Coveralbum ist "Another Time, Another Place" dennoch nicht. Dazu sind Lieder wie Eddie Vedders "Just Breathe", Mark Knopfers "Why Worry" oder John Legends "Once I Was Loved" nicht Hit-mäßig genug. Eher war es so, dass Warnes sich Songs herauspickte, die überstandenes Leid und eine reife Liebe zum Leben feierten. "Ich wollte kein schweres, beladenes Tribute-to-Death-Album aufnehmen", sagt sie. Stattdessen eines, das aufrichtig und unverstellt von Erkenntnissen des Lebens erzählt, sie aber in einen warmen, den Hörer schützenden Sound packt.

Zu diesem Zwecke rühren auf "Another Time, Another Place" gut abgehangene Studio-Granden den Besen des Schlagzeugs, sie zupfen von Blues- und Southern Country getränkte Gitarren oder lassen den Bass zum langsamen Groove spazieren gehen.

In Vedders "Just Breathe", dem thematisch fast schon titelgebenden Opener, erzählt Warnes' glockenhelle Stimme von der Liebe zum Hier und Jetzt. In dem unfassbar berührenden Stück "Once I Was Loved" (John Legend!) geht es um die Melancholie des Alters. Je weiter die zehn Stücke des Albums fortschreiten, desto mehr übernimmt ein lässig gespielter, texanischer Countryblues das Kommando. Die Slidegitarren singen, und Jennifer Warnes, diese große Interpretin von Songs anderer Leute, durchschreitet wie ein stimmlich hochbegabtes Medium die Gedanken ihrer Autoren. Eine extrem altmodisches, aber auch ungeheuer stilvolles Album für Freunde exzellenter Americana-Musik.

Eric Leimann

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelAnother Time, Another Place
Bandname/InterpretJennifer Warnes
GenreCountry-Folk-Blues
Erhältlich ab25.05.2018
LabelBMG Rights Management
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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