Musik / CD

De/Vision: City BeastsSynthetische Retro-Romantik

Depeche Mode war eine der einflussreichsten Bands der 80er-Jahre, das weiß man auch ohne Musiklexikon. Viele deutsche Musiker ließen sich von den seinerzeit innovativen Synthie-Sounds der Briten inspirieren. Den dahingehend größten Erfolg feierten Ende der 80-er die Baden-Württemberger von Camouflage ("The Great Commandment", "Love Is A Shield"). Etwa zur gleichen Zeit wurde in Bensheim bei Darmstadt De/Vision gegründet. Die Debüt-LP "World Without End", die dann 1994 erschien, wurde vom ehemaligen Produzenten von Camouflage, Axel Henninger, abgemischt. Der Rest ist Synthie-Pop-Musikgeschichte. Und diese Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt. Mit "City Beats" erscheint nach 30 Jahren Bandgeschichte das inzwischen 14. Studioalbum der Combo, die inzwischen zum Duo geschrumpt ist.

Das Album beweist, dass Sänger Steffen Keth und Keyboarder Thomas Adam ihre Kernkompetenzen noch immer beherrschen: Ohrwürmer in wohlgefällige retro-romantische Synthiesizer-Kleider zu stecken. Der Vergleich mit Depeche Mode drängt sich nach wie vor auf, das gilt sowohl für die Gesangsstimme als auch für die Arrangements. Doch man kann De/Vision nicht absprechen, dass sie längst auch auf eigenen Beinen stehen. Und während ihre alten Helden schon längst nicht mehr klingen wie in ihrer Pionierzeit, sind De/Vision sich erstaunlich treu geblieben.

Das neue Album "City Beats" könnte per Zeitreise in eine Diskothek der 80er-Jahre transportiert werden und würde dort nicht als Fremdkörper auffallen. Ob man das als mangelnde Innovationslust anprangern oder als nostalgische Liebe zu einer goldenen Ära loben möchte, ist Geschmackssache. Fest steht: Mit "City Beats" können De/Vision nicht nur alle Depeche Mode-Fans abholen, die im Spätwerk der Briten den Charme der guten alten Zeit vermissen, sondern grundsätzlich alle, die die zeitlosen Qualitäten der Synthie-geprägten 80-er zu schätzen wissen.

mehr Bilder

Während junge Acts wie zuletzt etwa Chvrches aus Schottland Retro-Charme mit modernen Klängen vermischen, setzen De/Vision konsequent und kompromisslos auf Oldschool-Atmosphäre. Zehn Stücke bietet das Album, in der Limited Edition mit Bonus-CD kommen noch zwei Remixe und drei Non-Album-Tracks hinzu. Der Opener "In The Still Of The Night" ist keine Aufforderung zum Tanz, sondern ein eher gemächlicher, dafür aber äußert stimmungsvoller Synthie-Ohrwurm. Tanzbarer ist das Stück "Joys Of Paradise", das mit düsterer Melodieführung und Analog-Synthies tatsächlich wie ein Depeche-Mode-Klassiker aus den frühen 80-ern wirkt.

Der schnellste und vielleicht auffälligste Track ist "Not In My Nature". Mit treibenden Bass-Linien und hohem Tempo klingt der Titel moderner als die anderen Stücke und absolut Dancefloor-tauglich - auch abseits von Ü30-Partys. Songs wie "Dystopia", "They Won't Silence Us" und "The Brightest Star" sind elegische Hymnen mit Keyboard-Fanfaren, die zwischen der Düsternis eines Gothic-Clubs aus dem ausgehenden 20. Jahrhundert und melancholisch angehauchter Pop-Poesie oszillieren. Stücke wie "Under Heavy Fire" klingen dann wieder mehr nach einem Science-Fiction- oder Actionfilm-Soundtrack, und auch "A Storm Is Rising" ist ein cooles Stück Kopfkino. Nebenbei beweist der Song außerdem eindrucksvoll, dass auch Synthesizer rocken können.

Ganz zum Schluss wird's dann auch etwas romantisch. Mit der Ballade "Last Goodbye" verabschieden sich De/Vision - dem Titel zum Trotz hoffentlich nicht für immer. Gefragt sind die Synth-Pop-Veteranen auf jeden Fall noch, denn die Single "They Won't Silence Us" ist unter anderem in den DAC (Deutsche Alternative Charts) und GEWC (German Electronic WebCharts) auf Platz 1 gelandet. Dass da noch einiges drin ist bei De/Vision, bewies das Vorgängeralbum "13": Es landete 2016 auf Platz 11 in den regulären Charts - das beste Ergebnis in der Bandgeschichte bis jetzt.

Michael Eichhammer

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelCity Beasts
Bandname/InterpretDe/Vision
GenreSynthie-Pop
Erhältlich ab22.06.2018
LabelPopgefahr Records
VertriebSoulfood
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel


CD-Archiv

CD-Archiv

Suche in der Radio Erft - CD-Datenbank nach Interpreten und/oder CD-Titeln.


Adel Tawil - Flutlicht
Ticketshop

Sicher Dir im Radio Erft Ticketshop die Tickets Deiner Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite