Musik / CD

Diverse: Falco - Sterben um zu leben"King of the 80s wie Falco"

Was für eine Hommage an den Kult-Rapper, Amadeus-Rocker und selbsternannten Popstar Falco: Wenige Monate nach seinem 20. Todestag veröffentlicht Sony Music ein Cover-Album, auf dem diverse Deutschrapstars die Songs des Urvaters des weißen Sprechgesangs aufarbeiten. Sie wären gerne "King of the 80s wie Falco", denn Hans Hölzel war damals schon all das, was viele seiner Nachfolger heute ebenfalls sein möchten: Er war provokant, ohne zu diskriminieren, er crashte die Pop-Szene, er wurde zugleich verachtet und bewundert und regte sowohl zum Nachdenken als auch zum Feiern an. Im Februar 1998 starb der Wiener bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Seine berühmte Zeile "Sterben um zu leben", nach der auch die aktuelle Rap-Compilation benannt ist, erlangte damit eine ganz neue, tiefere Bedeutung.

Im ersten Track tobt sich Kontra K mit "Zuviel Hitze" aus und liefert eine zumindest brauchbare Neufassung jenes Klassikers, mit dem Falco 1982 so unvergleichbar charmant und poetisch das heiße Nachtleben in der Großstadt besang. "Jeanny" jedoch ist ein kleines Meisterwerk: Rapper Ali As übersetzt den Text in die heutige Zeit, ohne dabei an der Bedeutung zu rütteln. Zudem gelingt es dem Musiker auch noch, passende liedfremde Falco-Zitate wie "Meine Liebe brennt in Beziehungen" einzubauen, die im Kontext wahnsinnig gut passen.

Sehr gelungen ist auch "Macho - Macho", produziert von den Jugglerz und gerappt von Rio. Sie lassen Falco seinen unnachahmlichen Refrain weiter selbst singen und halten sich dicht an die Originalmelodie, füllen jedoch die vielen gesanglosen Stellen des Originals sehr kreativ mit eigenem Text zu energiereichen, klangvollen Beats - Falco wäre bestimmt ein bisschen stolz.

Ähnlich gut gelingt die Kombination von 80er-Pop und modernem HipHop bei Zugezogen Maskulin und "Junge Römer". Das Duo singt den Refrain aus dem Original unverändert nach, lässt den großen Star dann am Ende aber (vom Band natürlich) auch selbst noch ein paar Worte loswerden.

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Auf Falcos wohl bekanntestes Lied "Rock Me Amadeus" wird Sun Diego losgelassen. Dieser möchte sich wie einst auch Hans Hölzel mit Mozart gleichsetzen, verhebt sich dabei aber deutlich. Während Falco mit Synthesizer-Klassik und wilden Chor- und Einzelgesängen durch das Cover fetzt, wirken Sun Diegos Beats viel zu monoton und sein Sound zu modern. Noch dazu nimmt er dem Lied jedes Gefühl von Ekstase und ersetzt es durch Weltschmerz, was hier einfach nicht passen will.

Besonders spannend sind schließlich auch die Songs "No Time For Revolution", "Auf der Flucht" und "Der Kommissar". Hier widmen sich Haze, Frauenarzt und Sido einem Thema, das Falco stets beschäftigte und heute noch mindestens so aktuell ist wie damals: Es geht um die Machtlosigkeit vieler in einem System, das das Leben aller bestimmt. Mit deutlicher, unmissverständlicher, zeitgenössischer Sprache gelingt es ihnen, Falcos Kritik ins Hier und Jetzt zu transportieren.

Wenn zwölf verschiedene Rapper und Rap-Crews auf zwölf verschiedene Songs losgelassen werden, ist von vornherein klar, dass dabei ein sehr vielfältiges Album entsteht, das unweigerlich Höhen und Tiefen hat. Unterm Strich aber ist das "Sterben um zu leben"-Experiment gelungen - auch weil es zeigt, wie prägend und zeitlos Falcos Rap tatsächlich war.

Maximilian Krimmer

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelFalco - Sterben um zu leben
Bandname/InterpretDiverse
Erhältlich ab25.05.2018
LabelSme Media
VertriebSony Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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