Musik / CD

Granada: Ge bitteDes kummt vom Herz

Wiener Musik ist gerade cool. Eigenständige Pop-Acts wie Bilderbuch und Wanda sind dafür verantwortlich. Man sollte sich aber nicht täuschen: Wiener Musik ist schon lange cool. Künstler wie Falco und Kruder & Dorfmeister leisteten wertvolle Pionierarbeit. All diese Acts zeichnet aus, dass sie sehr freigeistig Einflüsse kombinieren und sich nicht darum kümmern, ein bestimmtes Genre oder eine bestimmte Subkultur zu bedienen. Gleichzeitig versuch(t)en aber die wenigsten von ihnen, tatsächlich den Klang und das Lebensgefühl von Österreich einzufangen. Das tun vielleicht die Grazer von Granada. Sie verwenden nicht nur die österreichische Mundart, sondern auch ein Akkordeon und holen steirischen Folk aus den biederen Wohnzimmern in die Jugendzentren. Was cool ist, darum scheren sich die Jungs auf "Ge bitte" einen Dreck. Sie entspannen in der "Sauna" und schießen gegen das "Scheiß-Berlin", nicht als Hipster-Hochburg, sondern weil der neue Macker der Angebeteten da herkommt.

Das zweite Album von Granada vereint einen Haufen kurzweiliger Indie-Songs, die wie schon das Debüt vor zwei Jahren als Super-Sommeralbum verkauft werden. Warum, wird nicht ganz klar. Akkordeon = Sommer? Von Sommer- und Sonnenschein-Plattitüden sind Granada eigentlich weit entfernt. Zum Glück.

Es finden sich auf "Ge bitte" weniger Cover-Songs und Neuinterpretationen als auf dem Debüt-Album, auch wenn hier und da mal eine Gesangsmelodie an eine Surf-Rock-Nummer erinnert. Granada machen keine Gags mehr und auch keine anbiedernden Sommersongs, sondern eigenständige Musik, die charmant ist, flott und leichtfüßig. Der Album-Titel ist ein schöner Austrozismus, der etwa mit "Was soll das? Sein lassen!" übersetzt werden kann und ganz gut zu der eigenwilligen Haltung passt, die die Texte von Thomas Petritsch verlauten lassen.

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Auf den letzten Metern wird es dann auch einmal tiefsinnig, wir lernen: "Wenn des net alles vom Herz kummt, ist es nichts wert." Und mit "Verwoitn" wird der Granada-Sound zu guter Letzt auf akustische Klänge reduziert, sodass man kurz wirklich glaubt, man höre Volkssänger Edmund Guschelbauer in einem Beisl musizieren.

Ein bisschen fehlt es "Ge bitte" an Konzept, weshalb die zwölf Songs an eine Nummern-Revue erinnern und ab der Hälfte des Albums die Gastfreundschaft des Hörers überreizen könnten. Wer sich gut vorstellen kann, mit einem frechen und zugleich charmanten jungen Österreicher in einer Kneipe zu sitzen und Geschichten aus dessen Leben zu lauschen, wird damit aber eine gut gelaunte Dreiviertelstunde verbringen. Des kummt nämlich vom Herz.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelGe bitte
Bandname/InterpretGranada
Erhältlich ab22.06.2018
LabelKarmarama
VertriebSony Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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