Musik / CD

Nicky Minaj: QueenEine Königin sucht ihr Reich

Nicki Minaj ist die größte Rapperin der Welt. Das liegt einerseits an ihren clever inszenierten, weil freizügigen öffentlichen Auftritten, die das Publikum bei Laune halten. Ob das hier nun Sexismus oder Selbstbehauptung ist, wird nie ganz klar. Andererseits hat Nicki Minaj auf drei Alben, durch zahlreiche Auszeichnungen und ebenfalls smart platzierte Gastauftritte bei Pop-Schwergewichten wie Madonna, Justin Bieber und David Guetta bewiesen, dass es seit fast einer Dekade keine Rapperin gibt, die derartig wandelbar, verlässlich und versiert zum Mikro greift. Das ließ sie zur Königin des Rap aufsteigen. Ihr viertes Album "Queen" soll nun ein formaler Akt der Selbstkrönung sein.

Extravagante Outfits, schrille Frisuren, epochal inszenierte Bühnen-Shows - Nicki Minaj schlug für Hiphop-Verhältnisse stets ein wenig über die Stränge, hatte aber auch immer das musikalische Können, um in der sonst sehr auf Authentizität beharrenden Rap-Szene diskutiert zu werden.

So ist auch "Queen" lupenreiner Hollywood-HipHop, der sich mit dem obligatorisch skandalösen Cover (Minaj ist fast nackt abgebildet) und einer ausufernden Tracklist gar nicht anschickt, Bescheidenheit auszudrücken. In rund 60 Spielminuten quetscht Nicki atmenlose 19 (!) vollwertige Songs, engagierte dafür rund 30 Produzenten und balanciert bei ihren Gastmusikern zwischen Generationen (Eminem, Swae Lee), Idolen (Nas, Foxy Brown) und der Marketingabteilung ihres Labels (Ariana Grande). Hier wird nicht kuratiert, hier wird geklotzt: ein Motto, mit dem Minaj im Grunde schon bei ihrem Debüt "Pink Friday" 2010 für gemischte Reaktionen sorgte.

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Nicki Minaj ist zwar immer noch kein Pop-Sternchen - sie bleibt eine Ausnahmerapperin. Auch wenn Onika Maraj, wie Nicki bürgerlich heißt, durchaus passable Gesangseinlagen beherrscht, brilliert sie doch stets durch ihr ergreifendes Rap-Schauspiel. Arrogant, humorvoll, autoritär, aber nie unnahbar manövriert sie ihre Stimme durch unterschiedliche Tempi und Stimmungen. Auf den hypnotischen Akustik-Afropop von "Ganja Burn" etwa lässt die Frau mit Wurzeln in Trinidad und Tobago das theatralische Piano-Stückchen "Majesty" folgen. Dann betet sie die Sex-Fantasie-gewordene HipHop-Nummer "Barbie Dreams" herunter, um sich anschließend in das lineare Radio-Stück "Bed" zu retten.

Doch will der synthetische Pop-Funke nicht so recht auf ihre Hochglanz-Raps überspringen: Minajs Songwriting hangelt sich auch auf "Queen" durch Baukastenformen und vorhersehbare Kadenzen. Fast scheint es so, als wolle Minaj im Vorbeigehen klarstellen, dass ihr eine Rap-Newcommerinnen wie etwa Cardi B, die mit "Invasion Of Privacy" eines der besten Rap-Alben des Jahres vorgelegt hat, nichts anhaben kann. Auf den Fersen ist sie Nicki aber schon.

Am Ende stehen ein paar aussagekräftige Glanztaten ("LLC", "Good Form", "Ganja Burn") einer Menge Füllmaterial gegenüber. Nicki Minaj als ernsthafte Rap-Künstlerin im Mainstream-Pop-Pelz zu präsentieren, gelingt mit "Queen" zwar deutlich besser als auf allen ihren Vorgängeralben. Doch die Lady Gaga des Rap ist Nicki auch mit diesem Album (noch) nicht.

Fionn Birr

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelQueen
Bandname/InterpretNicky Minaj
Erhältlich ab17.08.2018
LabelRepublic
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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