Musik / CD

Interpol: MarauderMehr Post als Punk

2002 ließen Interpol britischen Post-Punk wiederaufleben. Es folgten viele Bands, die es ihnen nachtaten. Das sechste Interpol-Album heißt "Marauder", zu Deutsch "Plünderer", und macht 2018 wenig anders als 2002. Es könnte schlimmer sein.

Den Vorwurf der Plünderei kennen Interpol aus ihren Anfangstagen, als sie wieder und wieder beweisen mussten, kein bloßes Joy-Division-Abziehbild zu sein. Sie waren nicht alleine: Anfang der 2000er-Jahre kamen viele erfolgreiche Indie-Rock-Bands wie die Strokes oder die Yeah Yeah Yeahs aus New York. Keine von ihnen war aber so eindeutig vom britischen Post-Punk der 80-er beeinflusst wie Interpol.

Der Unterschied zu Joy Division ist damals wie heute, dass Interpol sehr viel mehr Post als Punk sind. Wo Joy Division karg und minimalistisch klingen wollten, rollen Interpol einen Klangteppich aus. Die Texte sind verzweifelt und wütend, der Gesang von Paul Banks balanciert raue Ehrlichkeit und dramatischen Pathos auf eine Art, bei der der Vergleich mit Ian Curtis wirklich nicht verwundert. Diese Elemente treffen aber mal auf flächig durchnudelnde Gitarren ("Surveillance"), mal auf ein einprägsames Indie-Rock-Schema ("The Rover"). Dadurch entstehen Kontraste zwischen Stil und Inhalt, die die Musik von Interpol ausmachen.

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Neben dem gewohnten Philosophieren über Hedonismus und gesellschaftlichen Verfall finden ein paar besonders düstere Textzeilen ihren Weg auf das neue Album. "Watch how you break things - you learn the most / Something about the one that negates hope", singt Banks und erzählt vom titelgebenden Vagabunden nur in der dritten Person, meint aber destruktive Teile seiner eigenen Persönlichkeit, wie er im Vorfeld in Interviews angab. Auch der Sound macht "Marauder" zu einer kurzweiligen Angelegenheit. Flaming-Lips-Produzent Dave Fridmann, mit dem Interpol erstmals zusammenarbeiteten, regte an, per Overdub-Verfahren auf analoges Tape aufzunehmen. Dadurch entstehen einige verspielt klingende Drum Fills und Gitarrenläufe und ein sehr organischer Band-Sound. Man kann spekulieren, dass das ausufernde Outro von "Flight of Fancy" bei einer durchgeprobten Aufnahme anders geklungen hätte.

Im eigentlichen Songwriting passiert trotz alledem nichts, das nicht schon auf vorherigen Releases passiert ist, und damit reihen sich Interpol dann doch sehr gut zwischen ihre eingangs erwähnten New Yorker Indie-Kollegen ein, die sich seit Ende der 2000er-Jahre schwer tun, herausragende Musik zu produzieren. Das Songwriting ist gut, es ist nur so voller Selbstzitate, dass Interpol 2018 fast wie ein gut aufgelegtes Post-Punk-Tribute-Projekt wirken. "Marauder" ist zum Glück nicht weniger, aber leider auch nicht viel mehr als solider Fan-Service.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelMarauder
Bandname/InterpretInterpol
GenreRock
Erhältlich ab24.08.2018
LabelMatador / Beggars
VertriebIndigo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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