Musik / CD

Lea: Zwischen meinen ZeilenUnschuldig wie eine Werbefläche

Bei Klickzahlen im zweistelligen Millionenbereich und reichlich Radio-Airplay stellt sich nicht die Frage, ob Leas Musik auf Nachfrage stößt. Unstrittig ist auch, dass sie als studierte Musikpädagogin ihr Handwerk beherrscht. Das hatte die heute 26-jährige Songwriterin schon bewiesen, als sie vor zwei Jahren einen Vertrag beim Label Four Music bekam, ihr Debütalbum "Vakuum" veröffentlichte und am Ende mit "Wohin willst du" (eine Zusammenarbeit mit dem DJ-Duo Gestört aber Geil) die Beach-Partys des Landes beschallte. Lea ist Musikerin, schwer angesagt und trotzdem auf dem Boden geblieben. Das alles soll sich nun mit dem neuen Album "Zwischen meinen Zeilen" richtig auszahlen.

Ihr Studium beendete die Kasselerin nicht im wilden Berlin, wo ihre Produzenten und ihr Label sitzen, sondern ganz brav in der mäßig aufregenden Stadt Hannover. Wenn sie ihre Lieblingskünstler nennt, fallen Namen wie Jamie XX oder London Grammar, die auch bei Kritikern breite Zustimmung finden. Im Internet veröffentlicht Lea-Marie Becker, so ihr bürgerlicher Name, gerne Fotos mit Kolleginnen wie Madeline Juno ("Error") oder Elif ("Unter meiner Haut") und plädiert für Girlpower. Das ist sympathisch.

Doch Leas Musik ist kalkuliert. Breite Melodiewände, fundamentale Basslines, klirrende Höhenflüge: Das ist Deutschpop, wie ihn Max Giesinger, Revolverheld und Adel Tawil (Lea durfte mit ihnen allen schon auftreten) längst in die Hitparaden getragen haben. Und trotz aller Romantik um ihre Anfänge als junge Gymnasiastin, die ein selbstgeschriebenes Liebeslied aus dem Klassenraum ins Internet lud, wirkt die ehemalige Background-Sängerin von Mark Forster vor allem wie das Produkt einer profitorientierten Branche. Das ist nicht sympathisch, aber rentabel.

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So nutzt man bei Lea die Unschuld als Mittel der Vermarktung. Ihre kitschigen Klaviersonette handeln oft vom Gefühl des Verlorenseins - wahlweise im Dschungel der Großstadt, allein im Bett oder auch in den Armen eines anderen Menschen. Die etwas pathetische Coming-of-Age-Romanze "Immer wenn wir uns sehen", die zielgruppengerecht auch auf dem "Das schönste Mädchen der Welt"-Soundtrack gelandet ist, enthält dann beispielsweise Zeilen wie: "Ich wusste nicht, was mir gefehlt hat / Bis du alles verdreht hast." Auch "Wunderkerzenmenschen", ein lupenreiner Pop-Gassenhauer mit entsprechendem Feuerwerkskörper-Potenzial, gaukelt Intimität vor mit einem Video, das ausschließlich mit Porträtaufnahmen von Lea gedreht wurde. Das schafft Nähe zum Kunden, äh ... Hörer.

Man hangelt sich entsprechend weiter durchs Pop-Register: Der EMD-Schlager "Halb so viel" handelt von unerfüllter Liebe, der Dancefloor-Klatscher "Fahrtwind" vom Fernweh, der Two-Step-Pop in "Applaus" von Trennung. Dazu verkörpert Lea in ihrer Musik immer wieder das gutgläubige Mädchen von nebenan. Auch das ist sympathisch, aber alles andere als feministisch. Auf den 13 Anspielstationen wird der Blickwinkel der naiven Studentin in der erschlagenden Metropole niemals abgelegt. Keine Tiefschläge, keine echte Einsamkeit: In Leas Welt gibt es immer nur Andeutungen von Schatten. Es bleibt bei ausschlagenden Radiopleasern mit großen Emotionen angesichts kleiner Befindlichkeiten - "Indie-Pop" soll das sein, die Grenze zum Schlager ist aber nicht auszumachen.

Die Credits dieses Werks lesen sich ohnehin wie eine Verpackungsbeilage dessen, was Jan Böhmermann zuletzt als "deutsche Industriemusik" bezeichnete: Leas Team arbeitete unter anderem auch mit Glasperlenspiel, Lena Meyer-Landruth und Christina Stürmer. Am Ende ist es dann fast schon ein bisschen lustig, dass dieser klebrige Kommerzbrei auch noch den Titel "Zwischen meinen Zeilen" trägt.

Fionn Birr

Audio CD
Bewertungenttäuschend
CD-TitelZwischen meinen Zeilen
Bandname/InterpretLea
Erhältlich ab14.09.2018
LabelFour Music
VertriebSony Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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