Musik / CD

Bosse: Alles ist jetzt"Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht"

Wer ein Herz hat, wird sich schockverlieben in dieses Album. Der Opener und Titeltrack "Alles ist jetzt" geht ab wie Bosses Katze. "Das was du träumst, musst du einfach machen", rät Axel Bosse. Einfach machen, ohne ins Grüblerische zu geraten - das scheint auch das Motto für das ganze Album gewesen zu sein. Anders ist die Leichtigkeit, die alle Songs verströmen, kaum zu erklären. Siebtes Album, keine Spur von Erfolgsdruck. Aber eben auch keine Abgeklärtheit. Stattdessen: die Spielfreude und Frische eines Debüts. "Dann kommt eine zündende Idee wie frischer Wind", heißt es im Titelsong. Es stellt sich heraus: Bosse hat nicht nur eine, sondern zwölf zündende Ideen gehabt.

Gutgelaunt und lässig klingen die Tracks. Und das, obwohl sie sich mit dem Ernst des Lebens genauso auseinandersetzen wie mit den fröhlichen Momenten. Auch das Schwere leicht zu nehmen, dazu bedarf es einer gewissen Reife, und die hört man dem mittlerweile 38-jährigen Familienvater mehr denn je an. Bosse weiß: "Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht."

Dafür, dass das Album "Alles ist jetzt" heißt, reist Bosse ganz schön oft in die Vergangenheit. In "Hallo Hometown" geht's zurück in die Heimat, und "in jeder Ecke hängt noch ein Teenagertraum". Der Song "Ich wart auf dich" geht auf die Suche nach der verlorenen Zeit, und auch "Indianer" blickt zurück auf große Zeiten und Gefühle.

Ein Widerspruch zum Albumtitel ist all das nicht: Denn erst die Vergangenheit macht ja das Jetzt so, wie es ist. Und im Fall von Bosse ist dieses "Jetzt" ein Zelebrieren der Lebenslust. Dazu gehört für ihn auch die Lust an seiner großen Liebe, für die er die Schule einst ohne Abi abbrach: die Musik. "Augen zu Musik an" ist eine Liebeserklärung und dank des Electro-Arrangements auch eine Aufforderung zum Tanz. Bosse auf dem Dancefloor? Klingt erst mal nach ungewohntem Terrain für den knuddeligen Kumpeltyp, doch er setzt noch eins drauf und zeigt mit "Süchtig", dass er auch mal eine richtig coole Sau sein kann, ohne seine von den Fans so geschätzte Authentizität zu verlieren.

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Deutschsprachiger Pop auf der Höhe der Zeit und auf internationalem Niveau: Die Musik ist das eine Qualitätsmerkmal von Bosse. Das andere ist sein Talent als Texter, denn auch auf "Alles ist jetzt" beweist der Pop-Poet, dass er 2014 nicht grundlos mit dem deutschen Musikautorenpreis in der Kategorie Text Pop/Rock ausgezeichnet wurde. Beispielsweise, wenn er sich in "Robert de Niro" fragt: "Wann fängt es an, dass wir aufhören uns zu fühlen wie Robert de Niro bei 'Berlin - Tag und Nacht'? Im falschen Film."

Ein textliches Highlight ist auch "Pjöngjang". Die Herausforderung, noch irgendetwas Originelles zum Genre Liebeslied beizutragen, meistert Bosse hier mit Zeilen wie: "Wärst du eine Stadt, dann wärst du Pjöngjang, ich komme nicht an dich ran." Seine Bitte an die Geliebte: "Hey, mein kleines Chaos, bitte öffne dich für mich. Ich bin weder Donald Trump noch ein böser Kapitalist."

Ganz am Ende von "Alles ist jetzt" blickt Bosse schließlich noch einmal in die Vergangenheit und kommt schon mit dem Titel zu dem bestmöglichen Schluss: "Ich bereue nichts". Minimalistisch und ruhig, begleitet vom Klavier, lautet das Fazit der Ballade: "Wenn ich in den Rückspiegel sehe, sind da viel mehr Lacher als Tränen." Da hat wohl jemand vieles richtig gemacht. Musikalisch sowieso, privat offenbar auch.

Michael Eichhammer

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelAlles ist jetzt
Bandname/InterpretBosse
Erhältlich ab12.10.2018
LabelVertigo Berlin
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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