Musik / CD

PeterLicht: Wenn wir alle anders sindEs werde Peter!

Leicht wie eine Sommerbrise umwehte Radiohörer 2001 der Ohrwurm "Sonnendeck" von PeterLicht. Für viele blieb er ein One-Hit-Wonder, andere sehen in ihm eine unverzichtbare Pop-Institution. Wenn es gilt, die Absurditäten unserer Zeit mit ebenso absurden Musikstücken abzubilden, bringt Peter Licht ins Dunkle. Im Magazin "Spiegel" wurde er einmal als "der politische Konzeptkünstler unter den deutschen Popmusikern" bezeichnet. Nach vier Jahren Funkstille auf dem Sonnendeck der künstlerischen Pause hört man nun endlich wieder Neues von dem Spaßvogel. Der Kölner nennt sein neues Album, das beim Hamburger Indie-Label Tapete Records erscheint, "Wenn wir alle anders sind".

Gutgelaunt wie in der Ära seiner Hitsingle klingt PeterLicht, der in Wahrheit angeblich Meinrad Jungblut heißt, noch immer. Auch die dadaistisch-verschrobenen Texte und die gechillten Arrangements bleiben ein Markenzeichen. Das leichtfüßige Hit-Potenzial von "Sonnendeck" hat allerdings nur ein Track, und der wurde treffsicher als erste Single ausgewählt: "Menschen" klingt wie New-Wave-Indie-Rock der 80-er - radiotauglich und heiter, als hätten sich The Cure oder New Order ein paar Stimmungsaufheller eingeschmissen.

Bisweilen erinnert das anspruchsvolle Herumalbern an das Ouevre von Helge Schneider. Beispielsweise, wenn PeterLicht im Laidback-Opener "Chipslied" singt: "Erst wenn der letzte Chips gegessen ist, werdet ihr merken, dass man Chips nicht essen kann." Die Hommage an die Indianer-Binsenweisheit ("Erst wenn der letzte Baum gerodet ?") spielt PeterLicht in unzähligen hanebüchenen Varianten durch. "Erst wenn die letzte Metro abgefahren ist, werdet ihr sehen, dass es Metrosexuelle nicht gibt."

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Der Nonsens zieht sich im Grunde durch das komplette Album. "Ich stand an der Wand und trank aus dem Tisch", trällert er in "Candy Käsemann", einem Stück, das klingt wie Akustikgitarren-Flamenco in Zeitlupe. Das sozialistische Kampflied "Die Internationale" dichtet PeterLicht dann um zur puristischen Klavierballade "Emotionale / Hört die Signale" - mit Strophen wie "Borderliner aller Länder, auf zum letzten Gedicht, singt übergriffige Lieder, die ihr euch selber nicht erklären könnt". Es folgt die vielleicht doch nicht ganz so sinnfreie Zeile: "Die hinterfotzigen Hintergründe des Systems kommen jetzt ans Licht."

Das Stück "Umentscheidungslied" klingt wie Kraftwerk auf Lachgas und bittet mit flottem, hypnotisierendem Synthie-Rhythmus zum Tanz. Auch das "Kontolied", eine Ode an das Plus auf dem Konto, groovt mit starkem Elektro-Einschlag. Mit "Liebeslied von unten / Optionslied" dagegen versucht sich Licht im Genre Reggae. Im Kopfkino: euphorisches Schunkeln auf Jamaika. Und natürlich darf man bei einem wie PeterLicht auch bei Lovesongs mit einem augenzwinkernden Moment rechnen: "Ich liebe dich, insbesondere die Option auf deine Veränderung."

Unter all diesem grotesken Wahnsinn fallen die beiden ironiefreien Stücke natürlich besonders auf: Die minimalistisch arrangierte Ballade "Die Nacht" klingt ungewohnt herzlich und kommt ausnahmsweise mal ohne doppelten Boden aus. Ebenso die auf sphärischen Synthies schwebende Slow-mo-Nummer "Letzte Tote des großen Krieges", die viel mehr nach Sentimentalität als nach Scherzartikel klingt. Aber egal, ob es gerade ernst oder nicht so ernst zur Sache geht: Für Fans von Wortakrobatik ist "Wenn wir alle anders sind" eine Goldgrube, wie es sie nur bei PeterLicht geben kann.

Michael Eichhammer

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelWenn wir alle anders sind
Bandname/InterpretPeterLicht
Erhältlich ab19.10.2018
LabelTapete
VertriebIndigo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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