Musik / CD

Muse: Simulation TheoryViren und Virtual Reality

Die Kombination von Science-Fiction und 80er-Nostalgie ist in Mode. Das zeigen die Neuauflagen von Filmen wie "Robocop", "Tron" und "Blade Runner". Auch auf dem neuen Album von Muse prallen Zukunft und Vergangenheit aufeinander. Für das Cover, das aussieht wie das Poster zu einem alten B-Movie, zeichnet Kyle Lambert verantwortlich, der in einem ähnlichen Stil auch die Promo-Motive zum Netflix-Hit "Stranger Things" designt hat. Inhaltlich ist man auf "Simulation Theory" in der Utopie (oder Dystopie, je nach Interpretation) angekommen. Es geht um Virtual Reality, eine Technologie, die aus der Computerspiele-Industrie kommt. In Matthew Bellamys Texten aber wird sie als Möglichkeit zur Weltflucht weitergedacht, die uns versklaven kann. Denn: Wenn wir aus unseren Fantasien täuschend echte Simulationen programmieren können, wozu dann noch in die Realität zurückkehren?

Schwere industriell klingende Drums leiten den Opener "Algorithm" ein. Ein Synthesizer steigt ein, der stark an Kino-Soundtracks der 80er-Jahre erinnert, zu Filmen von John Carpenter zum Beispiel. Wir seien Sklaven, in Simulationen wie in Käfigen eingesperrt, singt Bellamy. "This means war with your creator!", heißt es im Refrain. Ob damit wirklich eine religiöse Schöpferfigur gemeint ist?

Noch gruseliger wird es auf "Thought Contagion": "It's too late for a revolution / Brace for the final solution." Der Song ist vom amerikanischen Populärwissenschaftler Richard Dawkins inspiriert, der in seinem Essay "Viruses of the mind" (1991) beschreibt, dass bestimmte Gedanken sich ähnlich vermehren wie ein biologischer Virus. Der religionskritische Dawkins hatte seinerzeit vor allem die Übertragung christlicher Glaubensvorstellungen im Sinn.

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Muse wollen diesen Gedanken auf die mediale Vermittlung von Nachrichten und politischen Überzeugungen übertragen. So weit ein interessanter Gedanke. Dass man sich wegen der Reichweite von Fake News für die "Endlösung" wappnen sollte, ist aber latent verschwörungstheoretisch. So klingt vieles, was auf "Simulation Theory" gesungen wird, nach einem alten Mann, der Angst vor dem Wandel hat, und mitunter übertrieben bedeutungsschwanger, weil Bellamy es in seinem typischen Falsett vorträgt und dann auch noch mit sich selbst Chöre singt.

Immerhin haben Muse das Konzept zum Anlass genommen, musikalisch zu experimentieren, nachdem der Vorgänger "Drones" eher wieder auf das Wesentliche konzentrierter Arena-Rock war. Das Ergebnis auf dem neuen Album ist immer noch Arena-Rock, der sich für jeden Headliner-Spot anbietet. Er zeichnet sich aber durch die 80er-Synthesizer-Ästhetik und einzelne gelungene Gesangsmomente aus. "Propaganda" etwa klingt, als hätte man Boys Noize eine alte Prince-Spur verkauft. Stagnation kann man der britischen Rock-Institution also nicht vorwerfen. "Simulation Theory" nimmt sich unterm Strich aber doch ein wenig zu viel vor. Während die Kombination von Alt und Neu musikalisch funktioniert, hinkt das inhaltliche Konzept hinterher.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelSimulation Theory
Bandname/InterpretMuse
GenreRock
Erhältlich ab09.11.2018
LabelWarner Music
VertriebWarner Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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